Sozo Brain

SOZO Brain kombiniert vier nicht-invasive Hirnstimulationsverfahren – TPS, tDCS, taVNS und CES – als ergänzende Therapie bei Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen. Die Einzelverfahren sind medizinisch zugelassen und neurophysiologisch plausibel; für TPS und taVNS liegen erste ermutigende Pilotstudien vor. Für tDCS zeigen Meta-Analysen jedoch keinen klaren Gesamteffekt, für CES fehlen Parkinson-spezifische Studien fast vollständig. Das SOZO-Gesamtkonzept – die spezifische Kombination aller Verfahren – wurde bislang in keiner publizierten klinischen Studie untersucht. Dramatische Heilungsberichte in der Vermarktung wecken unrealistische Erwartungen und sind wissenschaftlich nicht belastbar. Als ergänzende Maßnahme zur Standardtherapie mag die Methode Einzelnen nutzen – als Ersatz zur dopaminergen Medikation taugt sie nicht.

20 Fragen und Antworten zur THS


20 Fragen und Antworten zu THS (tiefe Hirnstimulation)

Die Entscheidung für eine tiefe Hirnstimulation (THS) entsteht selten am Schreibtisch. Sie wächst aus Gesprächen, aus Zweifeln und aus sehr konkreten Fragen, die sich im Alltag stellen. Es sind keine abstrakten medizinischen Überlegungen, sondern praktische Fragen: Was verändert sich? Was bleibt? Und was passiert in Situationen, auf die man sich nicht vorbereiten kann?

Ich habe mich im November 2024 selbst dieser Operation unterzogen und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Rückblickend war der Weg dorthin weniger von medizinischen Details geprägt als von dem Bedürfnis, die richtigen Fragen zu stellen – und verlässliche Antworten zu bekommen.

Dieser Beitrag bündelt diese Fragen und beantwortet sie in einer Form, die sich an der Praxis orientiert.

  1. Was ist ein Setz-Effekt?

Unmittelbar nach der Operation berichten viele Patienten über eine vorübergehende Verbesserung ihrer Symptome, noch bevor der Stimulator aktiviert wird. Dieser sogenannte Setz-Effekt entsteht durch die mechanische Reizung des Gehirngewebes während des Eingriffs und klingt in der Regel nach einigen Tagen oder Wochen wieder ab.

  1. Wie wirkt sich die THS auf meine Medikation aus?

In vielen Fällen kann die Medikation nach der Implantation reduziert werden. Ziel ist jedoch nicht das vollständige Absetzen der Medikamente, sondern ein ausgewogenes Zusammenspiel zwischen Stimulation und medikamentöser Therapie.

  1. Welche Symptome verbessert die THS?

Die THS wirkt vor allem auf motorische Symptome wie Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifigkeit und Zittern. Nicht-motorische Symptome und Gleichgewichtsstörungen sprechen in der Regel weniger gut an.

  1. Für wen ist die THS geeignet?

Geeignet sind vor allem Patienten, deren Symptome grundsätzlich gut auf L-Dopa ansprechen, die jedoch unter starken Wirkungsschwankungen leiden. Bei ausgeprägten kognitiven Einschränkungen ist die Methode meist nicht angezeigt. Es gibt keiene generische Altersgrenze, allein die persönliche Kostitution zählt (Stichwort: biologisches Alter)

  1. Wie läuft die Operation ab?

Heute wird die Operation in den meisten spezialisierten Zentren unter Vollnarkose durchgeführt. Moderne Bildgebung ermöglicht eine präzise Platzierung der Elektroden ohne die früher notwendige Mitarbeit des Patienten im Wachzustand.

  1. Welche Risiken gibt es?

Wie bei jedem neurochirurgischen Eingriff bestehen Risiken wie Blutungen, Infektionen oder technische Komplikationen. Insgesamt gilt die THS jedoch als etabliertes und sicheres Verfahren.

  1. Wann tritt die Wirkung ein?

Die Wirkung beginnt mit dem Einschalten des Stimulators. Die optimale Einstellung wird jedoch meist erst über mehrere Wochen hinweg erreicht.

  1. Wie erfolgt die Einstellung des Stimulators?

Die Einstellung erfolgt ambulant und erfordert Erfahrung und Zeit. Es ist daher sinnvoll, sich frühzeitig um einen Neurologen zu kümmern, der mit der THS vertraut ist und sich ausreichend Zeit für die Anpassung nimmt.

  1. Welche Nebenwirkungen gibt es?

Nebenwirkungen wie Sprachveränderungen, Gleichgewichtsstörungen oder Stimmungsschwankungen können auftreten, sind aber häufig von den Einstellungen abhängig und damit beeinflussbar.

  1. Verändert sich meine Persönlichkeit?

In der Regel bleibt die Persönlichkeit unverändert. Veränderungen im Erleben können vorkommen, sind aber meist vorübergehend oder einstellungsabhängig.

  1. Wie lange hält die Batterie?

Nicht wiederaufladbare Systeme halten in der Regel drei bis fünf Jahre und erfordern keinen Aufwand im Alltag, müssen aber operativ ersetzt werden. Wiederaufladbare Systeme halten deutlich länger, erfordern jedoch eine regelmäßige Aufladung durch den Patienten.

  1. Kann ich ein normales Leben führen?

Viele Patienten gewinnen durch die THS deutlich an Lebensqualität zurück und können ihren Alltag weitgehend normal gestalten.

  1. Was muss ich im Alltag beachten?

Bestimmte technische Einflüsse wie starke Magnetfelder sowie medizinische Untersuchungen wie MRT müssen im Vorfeld abgeklärt werden.

  1. Was passiert bei einem Ausfall?

Fällt das System aus, kehren die Symptome zurück. Dies ist spürbar, stellt jedoch keine akute Lebensgefahr dar.

  1. Wie oft sind Kontrollen notwendig?

Nach der Einstellungsphase erfolgen die Kontrollen in der Regel alle paar Monate.

  1. Hält die Wirkung dauerhaft an?

Die THS wirkt langfristig, kann jedoch das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufhalten.

  1. Muss ich meinen Stimulator immer mit mir führen?

Der Stimulator ist implantiert. Eine Fernbedienung kann hilfreich sein, muss aber nicht ständig mitgeführt werden.

  1. Was passiert bei einer Kopfverletzung?

Nach leichten Verletzungen besteht meist kein Problem. Bei stärkeren Verletzungen sollte das System ärztlich überprüft werden.

  1. Ist ein Defibrillator gefährlich bei THS?

Ein Defibrillator kann trotz THS eingesetzt werden und ist im Notfall lebensrettend. Die Stromimpulse können das System beeinflussen, weshalb nach dem Einsatz eine Überprüfung notwendig ist. Die Defibrillation darf jedoch keinesfalls verzögert werden.

  1. Was ist in der Zukunft noch zu erwarten?

Adaptive Systeme passen die Stimulation in Echtzeit an gemessene Hirnsignale an. Diese Technologie verspricht eine noch individuellere Therapie, befindet sich jedoch derzeit noch in einer frühen Entwicklungsphase.

Jürgen Zender, 20.04.2026

Komplextherapie

 


Multimodale Komplextherapie bei Parkinson – warum es Zeit für einen neuen Blick ist


Ein persönlicher Erfahrungsbericht aus Bad Gögging

Einleitung

Dies ist inzwischen mein sechster Aufenthalt zur multimodalen Komplextherapie in Bad Gögging. Vieles ist mir deshalb vertraut: die Abläufe, die therapeutische Dichte, die besondere Mischung aus medizinischer Präzision und alltagsnaher Unterstützung, aber auch die Erfahrung, für einige Wochen ganz aus dem gewohnten Leben herauszutreten und sich konsequent auf die eigene Gesundheit zu konzentrieren.

Im Grunde haben sich die äußeren Rahmenbedingungen in all den Jahren nur in einem Punkt sichtbar verändert: Corona hat zeitweise den Klinikalltag, die Besuchsmöglichkeiten und manche organisatorischen Abläufe geprägt. An der eigentlichen Qualität und am Grundgedanken dieser Therapieform hat sich jedoch nichts geändert.

Und trotzdem ist jetzt der richtige Zeitpunkt, das Thema noch einmal neu zu beleuchten. Denn obwohl die multimodale Komplextherapie für viele Menschen mit Parkinson eine ausgesprochen vielversprechende Behandlung ist, herrscht nach wie vor erstaunlich viel Unklarheit, Halbwissen und Unsicherheit. Wer kommt dafür überhaupt infrage? Wie läuft so etwas konkret ab? Wer verordnet die Einweisung? Was passiert dort den ganzen Tag? Und vor allem: Was kann eine solche Therapie wirklich leisten?

Genau darum soll es in diesem Beitrag gehen: zuerst um das Wesen und die Vorteile der Komplextherapie, anschließend um einen neu formulierten Einblick in den Alltag einer solchen Behandlung – Tag für Tag.

Was eine multimodale Komplextherapie ausmacht – und warum sie so wertvoll ist

Die multimodale Komplextherapie ist weit mehr als ein Klinikaufenthalt mit ein paar Anwendungen. Sie ist ein intensives, fachübergreifendes Behandlungskonzept, das speziell darauf ausgerichtet ist, die sehr unterschiedlichen Facetten der Parkinson-Erkrankung gleichzeitig in den Blick zu nehmen.

Genau darin liegt ihre Stärke. Parkinson ist eben nicht nur ein Problem des Zitterns, der Steifigkeit oder der Verlangsamung. Die Krankheit betrifft oft ebenso das Gleichgewicht, die Stimme, die Feinmotorik, die Konzentrationsfähigkeit, die Verdauung, den Schlaf, die Belastbarkeit und nicht selten auch die seelische Verfassung. Wer Parkinson wirksam behandeln will, darf deshalb nicht nur an einer einzelnen Schraube drehen.

In der Komplextherapie geschieht genau das nicht. Stattdessen wird aus mehreren Bausteinen ein aufeinander abgestimmtes Gesamtkonzept gebildet. Dazu gehören – je nach individueller Situation – ärztliche Visiten und Medikamentenanpassungen, Physiotherapie, Ergotherapie, Sprachtherapie, neuropsychologische Diagnostik und Behandlung, Gleichgewichtstraining, Gangschule, kognitives Training, Bewegungsprogramme, Entspannungsangebote und ergänzende Maßnahmen.

Der große Vorteil ist, dass die einzelnen Therapien nicht nebeneinander herlaufen, sondern sich gegenseitig verstärken. Wenn zum Beispiel die Medikation besser eingestellt wird, kann die Physiotherapie wirksamer greifen. Wenn die Stimme trainiert wird, profitieren Kommunikation und Selbstsicherheit. Wenn die Ergotherapie die Feinmotorik stärkt, werden viele Alltagshandgriffe wieder sicherer. Und wenn zusätzlich an Stressanfälligkeit, Aufmerksamkeit oder Krankheitsverarbeitung gearbeitet wird, verbessert das oft den ganzen Umgang mit der Erkrankung.

Ein weiterer Vorteil ist die hohe therapeutische Dichte. Im Alltag zuhause scheitern viele sinnvolle Maßnahmen daran, dass Termine auseinanderliegen, Kräfte fehlen oder man schlicht nicht dauerhaft in Übung bleibt. In der Komplextherapie ist das anders: Der Tag folgt einem klaren Plan, die Anwendungen greifen ineinander, und man bleibt über mehrere Wochen konsequent am Thema. Gerade das macht Fortschritte oft erst möglich.

Hinzu kommt ein Aspekt, der gern unterschätzt wird: Der Aufenthalt schafft Abstand vom gewohnten Alltag. Zuhause ist man eingebunden in Routinen, Verpflichtungen, Gewohnheiten und kleine Selbsttäuschungen. In der Klinik fällt vieles davon weg. Man beobachtet sich genauer, nimmt Symptome ernster, probiert Neues konsequenter aus und bekommt unmittelbare Rückmeldungen von Ärzten und Therapeuten.

Besonders wichtig ist auch die individuelle Medikamenteneinstellung. Parkinson-Medikamente wirken nicht nach Schablone. Dosis, Kombination, zeitlicher Abstand und Verträglichkeit müssen oft sehr fein austariert werden. Ambulant ist das nicht immer leicht umzusetzen. In einer spezialisierten Komplextherapie kann man Veränderungen eng begleiten, Nebenwirkungen beobachten und die Wirkung im Zusammenhang mit Bewegung, Tagesform und Alltag unmittelbar beurteilen.

Dazu kommt der edukative Wert: Man lernt in kurzer Zeit enorm viel über den eigenen Körper, über Symptome, Belastungsgrenzen, günstige Bewegungsmuster, Strategien gegen Unsicherheit und die Bedeutung von Eigenübungen. Gute Komplextherapie ist deshalb nicht nur Behandlung, sondern auch Hilfe zur Selbsthilfe.

Für viele Betroffene ist sie außerdem eine Art Standortbestimmung. Was hat sich bereits verändert? Wo liegen die größten Baustellen? Welche Therapieformen helfen wirklich? Was sollte zuhause fortgeführt werden? Welche Themen brauchen im Anschluss vielleicht noch eine Reha oder ambulante Vertiefung?

Mein Eindruck nach mehreren Aufenthalten ist deshalb klar: Die multimodale Komplextherapie ist keine Luxusmaßnahme und kein nettes Zusatzangebot, sondern für viele Menschen mit Parkinson eine hochwirksame, praktische und oft überraschend alltagsrelevante Behandlungsform. Sie kann Symptome nicht wegzaubern und Parkinson nicht heilen. Aber sie kann sehr wohl dazu beitragen, Beweglichkeit zu erhalten, Sicherheit zurückzugewinnen, Beschwerden zu lindern, Medikamente sinnvoller einzustellen und neue Zuversicht zu entwickeln.

Das Tagebuch – neu erzählt

Im Folgenden ist mein Aufenthalt noch einmal neu formuliert – als übersichtliches Tagebuch mit aufklappbaren Karten für jeden Tag.

Tag 1 – Ankommen, Abschied und die ersten Eindrücke

Früh am Morgen geht es nach Bad Gögging. Drei Wochen Klinik liegen vor mir, und schon die Menge des Gepäcks lässt eher an einen Umzug als an einen Aufenthalt denken. Mit im Auto sitzt meine Frau – und mit jedem Kilometer wird deutlicher, dass dieser Einstieg nicht nur organisatorisch, sondern auch emotional ein Einschnitt ist. In der Klinik angekommen, folgen die ersten Formalitäten, Testungen und Einweisungen. Therapieplan, Essensplan, Stationsabläufe, erste Gespräche – man wird sofort in einen eng getakteten Rhythmus hineingenommen. Gleichzeitig beginnt das innere Umschalten: weg vom Alltag, hin zur konzentrierten Arbeit an den eigenen Symptomen. Mein erster Eindruck ist ein Gemisch aus Respekt, Neugier und Erleichterung. Ich bin angekommen – und jetzt geht es los.

Tag 2 – Der Stundenplan übernimmt das Kommando

Der Tag startet früh und zeigt sofort, wie engmaschig diese Therapie aufgebaut ist. Blutabnahme, Visite, erste Besprechungen und die medizinische Feinjustierung bilden das Grundgerüst. Besonders wichtig: Die bisherige Medikation wird überprüft und erweitert. Schon jetzt wird klar, dass die Komplextherapie nicht nur aus Bewegung besteht, sondern ebenso aus präziser Arzneitherapie. Medikamente werden nicht abstrakt besprochen, sondern im Zusammenhang mit dem realen Tagesverlauf erlebt. Dazu kommt die Erkenntnis: Von nun an lebe ich für eine Weile nach Therapieplan – und das ist gut so.

Tag 3 – Routine entsteht, und die ersten Bausteine greifen

Langsam stellt sich ein Rhythmus ein. Die Tage bekommen Struktur, die Unsicherheit vom Beginn lässt etwas nach. Gespräche, Anwendungen und Tests greifen zunehmend ineinander. Gleichzeitig zeigt sich: Klinikalltag bedeutet nicht Wohlfühlprogramm, sondern Konzentration, Offenheit und die Bereitschaft, sich auf Untersuchungen und neue Eindrücke einzulassen. Auch das Zusammenleben mit anderen Patienten gehört dazu. Ich merke, dass die Therapie nicht nur körperlich, sondern auch mental eine Umstellung verlangt.

Tag 4 – Sprachtherapie, Visite und ein bisschen Glück

Ein Einzelzimmer wird frei – ein echter Gewinn für Ruhe und Rückzug. Gerade in einer intensiven Therapiephase kann das erstaunlich viel ausmachen. Fachlich steht heute erneut die Visite im Mittelpunkt. Es geht um die Frage, wie Medikamente kombiniert, gesteigert oder angepasst werden können. Dazu kommen sprachtherapeutische Übungen, die mir vor Augen führen, dass Parkinson auch Stimme, Artikulation und Schlucken beeinflusst. Solche Einheiten wirken von außen oft unspektakulär. In Wahrheit sind sie ein wichtiger Teil der Selbstständigkeit im Alltag.

Tag 5 – Gleichgewicht als Großbaustelle

Heute steht besonders das Gleichgewicht im Fokus. Für mich ist das eines der heikelsten Themen, denn Unsicherheit beim Stehen, Drehen oder plötzlichen Bewegungen lässt sich nicht einfach mit Tabletten beheben. In der Physiotherapie wird genau daran gearbeitet: Stabilität, Reaktion, Haltung, Bewegungsübergänge. Das klingt technisch, ist aber im Alltag hochrelevant – denn Sturzangst verändert das ganze Bewegungsverhalten. Manchmal zeigen solche Einheiten besonders deutlich, wo man steht. Angenehm ist das nicht immer, aber notwendig.

Tag 6 – Erste Besserungen nach unruhigen Momenten

Nach vorübergehenden Nebenwirkungen und einer gewissen inneren Unruhe scheint sich mein Zustand etwas zu stabilisieren. Orientierung, Schwindel und allgemeines Befinden werden genauer beobachtet. Solche Tage machen deutlich, wie eng Medikamentenwirkung, Tagesform und Wohlbefinden zusammenhängen. Gerade deshalb ist eine stationäre Umgebung so wertvoll: Veränderungen bleiben nicht bloße Vermutung, sondern können direkt eingeordnet werden. Es ist noch kein Durchbruch, aber immerhin ein erster Schritt in eine bessere Richtung.

Tag 7 – Die erste Woche ist geschafft

Die Woche endet mit einem dichten Programm: Physiotherapie, Neuropsychologie, Massage, Rotlicht, kognitives Training und phonetische Diagnostik. Besonders eindrucksvoll ist die Untersuchung von Stimme und Schlucken. Sie schafft eine konkrete Grundlage für weitere Übungen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Therapie immer wieder nachjustiert und bei Bedarf auch in Richtung Anschlussbehandlung weitergedacht wird. Mein Fazit nach Woche eins: Erste Beschwerden haben sich bereits gebessert, die Wirkungsschwankungen sind flacher, und ich spüre, dass diese Therapie greift.

Tag 8 – Der Gangroboter wird zum Trainingspartner

Heute wird das Gangtraining intensiver. Der Robotik-Anteil ist für Außenstehende vielleicht ungewohnt, in der Praxis aber ausgesprochen hilfreich. Die Maschine ersetzt den Menschen nicht – sie unterstützt gezielt dort, wo Bewegungsabläufe analysiert und korrigiert werden müssen. Hinzu kommt ein Gespräch in der Neuropsychologie. Das ist nicht immer angenehm, weil es auch um Ängste, Erwartungen und den Umgang mit der Krankheit geht. Aber genau das gehört zu einer ehrlichen Therapie dazu. Der Körper trainiert – und der Kopf arbeitet mit.

Tag 9 – Ein ruhigerer Tag mit kleinen Lücken

Nicht jeder Tag ist vollgepackt bis obenhin. Heute geht es etwas ruhiger zu, einzelne Punkte fallen aus, anderes verschiebt sich. Auch das gehört zur Realität eines Klinikaufenthalts. Die Sprachtherapie zeigt, dass manches vor allem eines braucht: Wiederholung. Nicht jede Einheit bringt spektakulär Neues. Manches muss einfach geübt, eingeprägt und stabilisiert werden. Fortschritt entsteht nicht nur durch Höhepunkte, sondern oft durch das beharrliche Dranbleiben.

Tag 10 – Ausgebucht

Acht Anwendungen an einem Tag – das ist kein Spaziergang. Körperlich fordert mich das Programm spürbar, und zugleich tauchen altbekannte Probleme wieder auf, etwa mit Verdauung und Beweglichkeit. In der Ergotherapie zeigt sich, wie stark einzelne Einschränkungen mit Schmerz oder mangelnder Beweglichkeit zusammenhängen können. Auch hier gilt: Erst genau hinschauen, dann gezielt gegensteuern. Solche Tage machen deutlich, dass Komplextherapie kein Wellnesspaket ist, sondern konzentrierte Arbeit.

Tag 11 – Licht und Schatten

Medikamente helfen – aber sie können auch Nebenwirkungen mitbringen. Heute spüre ich das deutlicher als mir lieb ist. Benommenheit, Unsicherheit und Gleichgewichtsprobleme dämpfen die Energie. Gleichzeitig wird weiter geübt. Gerade das Gleichgewichtstraining konfrontiert mich mit Aufgaben, die simpel aussehen, aber im eigenen Körper plötzlich erstaunlich schwer werden. Solche Tage sind wichtig, weil sie zeigen: Therapie verläuft nicht linear. Es gibt Fortschritte – und es gibt Phasen, in denen man sich mühsam durchbeißt.

Tag 12 – Wochenende im Slow-Motion-Modus

Am Wochenende entfallen die regulären Therapien, aber Bewegung bleibt trotzdem ein Thema. Schwimmbad, Fitnessraum und Eigenaktivität bieten genug Möglichkeiten, nicht in Passivität zu verfallen. Besonders angenehm ist die direkte Anbindung an den Thermenbereich. Solche Rahmenbedingungen sind kein Luxusdetail, sondern helfen tatsächlich dabei, Entspannung und Bewegung sinnvoll zu verbinden. Gleichzeitig ist endlich etwas Raum da, Gedanken zu sortieren und neue Themen in Ruhe weiterzudenken.

Tag 13 – Zeit für ein erstes Résumé

Nach knapp zwei Wochen ist der richtige Moment gekommen, Bilanz zu ziehen. Und die fällt klar positiv aus. Vor allem die veränderte Medikation erweist sich als Treffer. Ich war anfangs skeptisch, weil jeder neue Wirkstoff auch neue Unsicherheit bedeutet. Aber die Erfahrung zeigt: Wenn die Anpassung sorgfältig erfolgt, kann sie enorme Wirkung entfalten. Dazu kommt der Gewinn durch die vielen therapeutischen Bausteine. In ihrer Summe haben sie deutlich mehr Kraft als jede Einzelmaßnahme für sich.

Tag 14 – Wieder volles Programm

Nach dem ruhigeren Wochenende zieht das Tempo wieder an. Der Tag ist straff geplant, und ich merke, wie sehr die Therapie inzwischen Teil meines Alltags auf Zeit geworden ist. Es geht nicht mehr nur darum, etwas Neues kennenzulernen, sondern das Erarbeitete zu festigen, genauer zu dosieren und Belastbarkeit aufzubauen. Die Komplextherapie zeigt hier ihre zweite Stärke: Nicht nur anstoßen, sondern stabilisieren.

Tag 15 – Die letzte Woche beginnt

Viel grundsätzlich Neues ist in der letzten Woche nicht mehr zu erwarten. Jetzt geht es darum, Übungen zu vertiefen, Effekte zu prüfen und noch ein wenig Feinarbeit zu leisten. Hinzu kommt eine weitere Medikamentenanpassung. Das zeigt erneut, wie eng medizinische und therapeutische Prozesse verzahnt sind. Auch gegen Verdauungsprobleme wird mitgedacht. In dieser Phase wird immer deutlicher: Gute Komplextherapie endet nicht an der Oberfläche, sondern greift tief in viele Alltagsfunktionen ein.

Tag 16 – Überbewegungen und eng getaktete Therapie

Heute zeigen sich erstmals deutliche Überbewegungen. Solche Episoden sind unerquicklich, aber gleichzeitig diagnostisch wertvoll: Man sieht unmittelbar, wie der Körper auf Änderungen reagiert. Trotz allem bleibt der Therapieplan dicht. Ergotherapie, Physiotherapie, Sprachtherapie, Kraftraum, Ergometer, Massage und neuropsychologische Einheiten fordern Körper und Kopf gleichermaßen. Zusätzlich wird die nächste Phase vorbereitet: Die Anschluss-Reha ist genehmigt. Die Behandlung denkt also schon über den aktuellen Aufenthalt hinaus.

Tag 17 – Erste Abschlussgespräche

Die Überbewegungen gehen zurück, und der Blick richtet sich stärker auf das, was bleibt: Feinmotorik, Gleichgewicht, Stressanfälligkeit und die Frage, was nach der Klinik weitertrainiert werden muss. Besonders eindrücklich ist die Erkenntnis, wie stark die Feinmotorik bereits gelitten hat. Genau darin liegt aber auch eine Chance: Wenn man ein Problem klar erkennt, kann man endlich gezielt daran arbeiten. Der Tag fühlt sich an wie eine Mischung aus Bilanz und Aufbruch.

Tag 18 – Ruhiger, aber nicht belanglos

Heute ist es deutlich entspannter. Massage, Wassertraining und neuropsychologisches Abschlussgespräch bestimmen den Ablauf, ohne dass der Tag an Bedeutung verliert. Gerade an ruhigeren Tagen merkt man, wie sehr Lesen, Denken, Ausruhen und Bewegung zusammengehören. Fortschritt braucht nicht nur Reiz, sondern auch Verarbeitung. Ein Tag ohne große Dramatik – und genau deshalb wohltuend.

Tag 19 – Freizeit mit Müdigkeit

Eine unruhige Nacht macht sich bemerkbar. Müdigkeit drückt auf die Stimmung und auf die Leistungsfähigkeit. Trotzdem bleibt Bewegung unverzichtbar, selbst wenn sie nur in reduziertem Maß möglich ist. Solche Tage zeigen, wie empfindlich das System Parkinson auf Schlaf, Medikamente und Tagesform reagiert. Schon kleine Verschiebungen haben spürbare Folgen. Deshalb ist es so wichtig, im Verlauf einer Komplextherapie den eigenen Körper immer besser lesen zu lernen.

Tag 20 – Kein guter Tag, aber ein lehrreicher

Der Magen streikt, und damit gerät vieles aus dem Takt. Übelkeit, Druckgefühl und das Gefühl, dass Medikamente nicht sauber wirken, ziehen weitere Symptome nach sich. Gerade hier zeigt sich wieder, wie

Neues aus Stammzellenforschung – Teil 2

Im Frühjahr 2025 wurden bahnbrechende Studien zur Stammzelltherapie bei Parkinson veröffentlicht: Implantierte Dopaminzellen aus Stammzellen zeigten erstmals nachhaltige Wirkung – ohne schwere Nebenwirkungen. Sowohl embryonale Stammzellen als auch patienteneigene iPS-Zellen wurden erfolgreich eingesetzt. Dieser Beitrag erklärt, was die Ergebnisse bedeuten, welche Studien jetzt folgen – und warum viele Expert:innen von einem Wendepunkt sprechen.

Parkinson Netzwerke

Parkinson-Netzwerke vernetzen Ärztinnen, Therapeutinnen, Pflege und Selbsthilfe über alle Grenzen hinweg.
Sie sorgen für bessere Versorgung, schnelleren Informationsaustausch und mehr Lebensqualität für Betroffene.
Erfahre, wo es in Deutschland Parkinson-Netzwerke gibt – und warum sie das Zukunftsmodell der Medizin sind.

242. Schwabinger Parkinson Info – THS bwz. DBS

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) zählt seit Jahren zu den wirksamsten Therapien bei fortgeschrittenem Parkinson. Mit der neuen „Feedback-Software“ wird die Stimulation erstmals an die Gehirnaktivität angepasst. Das bedeutet: präzisere Wirkung, weniger Nebenwirkungen – und ein wichtiger Schritt in Richtung personalisierte Therapie.

Adaptive DBS bzw. THS

Adaptive DBS von Medtronic „hört“ ins Gehirn und passt die Stimulation live an. Zulassungsdaten und erste Praxisberichte zeigen mehr gute On-Zeit bei geringerem Energieeinsatz – vielversprechend, aber mit offenen Fragen zu Langzeitwirkung und Alltagstauglichkeit.

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Gehirn-Jogging

Gehirn-Jogging

Verzeichnis relevanter Apps für Kognitionstraining bei Parkinson

NeuroNation

Eine in Deutschland entwickelte App mit über 60 Übungen und personalisierten Kursen. NeuroNation zeichnet sich durch eine intuitive, ansprechende Benutzeroberfläche aus und ist auf Deutsch verfügbar – ein Pluspunkt für viele Parkinson-Patienten. Die Übungen decken Gedächtnis, Konzentration, Reaktionsgeschwindigkeit und logisches Denken ab. Die App passt das Schwierigkeitsniveau an den Nutzer an und gibt Feedback über Stärken und Schwächen. Laut Hersteller wurden NeuroNation-Übungen wissenschaftlich validiert; tatsächlich wird die App sogar in Studien an Parkinson-Patienten getestet, um mögliche Verbesserungen der Kognition zu messen.

Zur Website von NeuroNation

GfG (Gesellschaft für Gehirntraining)

Die GfG ist keine klassische App, sondern eine Organisation, die sich dem Gedächtnistraining verschrieben hat. Sie bietet jedoch auch Online-Trainingsinhalte und eine Zeitschrift „Geistig fit“ an. Mitglieder erhalten Zugang zu einem Online-Übungsbereich mit vielfältigen geistigen Übungen und Rätseln. Die GfG verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Neben Gehirnübungen betont sie Faktoren wie Ernährung, Trinken, Bewegung und Spaß am Training (die sogenannte SOMECO-Treppe, welche sechs Schritte – vom Essen über mentale Übungen bis zur Freude – für optimale Hirnleistung beschreibt).

Zur Website der GfG

Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging

Bekannt geworden durch Nintendo (z.B. auf dem Nintendo DS) bietet dieses Programm verschiedene tägliche Übungen wie Kopfrechnen, Lesen, Gedächtnistests und sogar Sprachübungen, angelehnt an die Forschung von Dr. Ryuta Kawashima.

CogniFit

Eine wissenschaftlich fundierte App mit verschiedenen Trainingsmodulen für kognitive Fähigkeiten wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und logisches Denken.

Zur Website von CogniFit

Peak

Diese App bietet eine Vielzahl von Minispielen, die verschiedene kognitive Fähigkeiten trainieren. Sie ist benutzerfreundlich gestaltet und bietet ein tägliches Trainingsprogramm.

Zur Website von Peak

Lumosity

Eine der bekanntesten Gehirntrainings-Apps mit Spielen, die auf kognitive Forschung basieren. Lumosity passt sich dem Fortschritt des Nutzers an und bietet individuelle Trainingspläne.

Zur Website von Lumosity

Elevate

Diese App legt den Fokus auf Sprach- und Rechenfähigkeiten. Sie ist besonders für Menschen geeignet, die Wortschatz, Leseverständnis und mathematische Fähigkeiten verbessern möchten.

Zur Website von Elevate

Memorado

Eine App mit spielerischem Ansatz, die verschiedene Gehirnleistungen trainiert und motivierende Statistiken zur persönlichen Entwicklung bietet.

Zur Website von Memorado

Einstein Gehirntrainer

Eine App mit herausfordernden Rätseln und Denksportaufgaben, die speziell zur Förderung der mentalen Fitness entwickelt wurden.

Zur Website von Einstein Gehirntrainer

MindPal

Eine App, die personalisierte Denkspiele anbietet, um Gedächtnis und Konzentration zu verbessern.

Zur Website von MindPal

Brainwell

Diese App bietet tägliche Herausforderungen, die speziell zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten entwickelt wurden.

Zur Website von Brainwell

Happy Neuron

Eine umfangreiche Trainingsplattform mit Spielen zur Verbesserung der kognitiven Funktionen in verschiedenen Bereichen.

Zur Website von Happy Neuron

Zusammenfassend lässt sich zu digitalen Helfern sagen: Sie können das geistige Aktivitätsniveau erhöhen und sind eine gute Möglichkeit, selbst etwas gegen das Nachlassen der Denkleistung zu tun.

Keine App kann jedoch Wunder bewirken oder eine persönliche Betreuung komplett ersetzen. Wichtig ist, eine Anwendung zu finden, die Spaß macht und regelmäßig genutzt wird – denn nur dann hat sie Effekt.

Ob es eine professionelle Trainingssoftware wie CogniFit ist oder ein tägliches Sudoku auf BrainBashers, hängt von den Vorlieben des Einzelnen ab. Bei fortgeschrittener Parkinson-Demenz stoßen Apps an Grenzen, weil die Bedienung und Aufgaben dann zu komplex werden können – hier sind oft angeleitete Therapien sinnvoller.

In frühen Phasen hingegen können solche digitalen Übungen dazu beitragen, den Geist rege zu halten und vielleicht den Abbau etwas hinauszuzögern. Angehörige können unterstützen, indem sie bei der Installation helfen und gemeinsam mit dem Patienten neue Apps ausprobieren.

Jürgen Yender, Mènchen, 16.03.2025

THS – nach der OP

Einführung und Kontext

Privatdozent Dr. Thomas Köglsperger hielt vor einem Publikum der Parkinson Schule einen umfassenden Vortrag über die Nachsorge nach einer Tiefen Hirnstimulation (THS). Er betonte zu Beginn die Bedeutung des Themas, da die Nachsorge einen größeren zeitlichen Aufwand darstellt als die Operation selbst. Dr. Köglsperger, der am Klinikum Großhadern tätig ist und dort unter anderem die Ambulanz für Tiefe Hirnstimulation leitet, brachte seine umfangreiche Erfahrung in der Betreuung von THS-Patienten ein.