20 Fragen und Antworten zu THS (tiefe Hirnstimulation)Die Entscheidung für eine tiefe Hirnstimulation (THS) entsteht selten am Schreibtisch. Sie wächst aus Gesprächen, aus Zweifeln und aus sehr konkreten Fragen, die sich im Alltag stellen. Es sind keine abstrakten medizinischen Überlegungen, sondern praktische Fragen: Was verändert sich? Was bleibt? Und was passiert in Situationen, auf die man sich nicht vorbereiten kann?
Ich habe mich im November 2024 selbst dieser Operation unterzogen und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Rückblickend war der Weg dorthin weniger von medizinischen Details geprägt als von dem Bedürfnis, die richtigen Fragen zu stellen – und verlässliche Antworten zu bekommen.
Dieser Beitrag bündelt diese Fragen und beantwortet sie in einer Form, die sich an der Praxis orientiert.
- Was ist ein Setz-Effekt?
Unmittelbar nach der Operation berichten viele Patienten über eine vorübergehende Verbesserung ihrer Symptome, noch bevor der Stimulator aktiviert wird. Dieser sogenannte Setz-Effekt entsteht durch die mechanische Reizung des Gehirngewebes während des Eingriffs und klingt in der Regel nach einigen Tagen oder Wochen wieder ab.
- Wie wirkt sich die THS auf meine Medikation aus?
In vielen Fällen kann die Medikation nach der Implantation reduziert werden. Ziel ist jedoch nicht das vollständige Absetzen der Medikamente, sondern ein ausgewogenes Zusammenspiel zwischen Stimulation und medikamentöser Therapie.
- Welche Symptome verbessert die THS?
Die THS wirkt vor allem auf motorische Symptome wie Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifigkeit und Zittern. Nicht-motorische Symptome und Gleichgewichtsstörungen sprechen in der Regel weniger gut an.
- Für wen ist die THS geeignet?
Geeignet sind vor allem Patienten, deren Symptome grundsätzlich gut auf L-Dopa ansprechen, die jedoch unter starken Wirkungsschwankungen leiden. Bei ausgeprägten kognitiven Einschränkungen ist die Methode meist nicht angezeigt. Es gibt keiene generische Altersgrenze, allein die persönliche Kostitution zählt (Stichwort: biologisches Alter)
- Wie läuft die Operation ab?
Heute wird die Operation in den meisten spezialisierten Zentren unter Vollnarkose durchgeführt. Moderne Bildgebung ermöglicht eine präzise Platzierung der Elektroden ohne die früher notwendige Mitarbeit des Patienten im Wachzustand.
- Welche Risiken gibt es?
Wie bei jedem neurochirurgischen Eingriff bestehen Risiken wie Blutungen, Infektionen oder technische Komplikationen. Insgesamt gilt die THS jedoch als etabliertes und sicheres Verfahren.
- Wann tritt die Wirkung ein?
Die Wirkung beginnt mit dem Einschalten des Stimulators. Die optimale Einstellung wird jedoch meist erst über mehrere Wochen hinweg erreicht.
- Wie erfolgt die Einstellung des Stimulators?
Die Einstellung erfolgt ambulant und erfordert Erfahrung und Zeit. Es ist daher sinnvoll, sich frühzeitig um einen Neurologen zu kümmern, der mit der THS vertraut ist und sich ausreichend Zeit für die Anpassung nimmt.
- Welche Nebenwirkungen gibt es?
Nebenwirkungen wie Sprachveränderungen, Gleichgewichtsstörungen oder Stimmungsschwankungen können auftreten, sind aber häufig von den Einstellungen abhängig und damit beeinflussbar.
- Verändert sich meine Persönlichkeit?
In der Regel bleibt die Persönlichkeit unverändert. Veränderungen im Erleben können vorkommen, sind aber meist vorübergehend oder einstellungsabhängig.
- Wie lange hält die Batterie?
Nicht wiederaufladbare Systeme halten in der Regel drei bis fünf Jahre und erfordern keinen Aufwand im Alltag, müssen aber operativ ersetzt werden. Wiederaufladbare Systeme halten deutlich länger, erfordern jedoch eine regelmäßige Aufladung durch den Patienten.
- Kann ich ein normales Leben führen?
Viele Patienten gewinnen durch die THS deutlich an Lebensqualität zurück und können ihren Alltag weitgehend normal gestalten.
- Was muss ich im Alltag beachten?
Bestimmte technische Einflüsse wie starke Magnetfelder sowie medizinische Untersuchungen wie MRT müssen im Vorfeld abgeklärt werden.
- Was passiert bei einem Ausfall?
Fällt das System aus, kehren die Symptome zurück. Dies ist spürbar, stellt jedoch keine akute Lebensgefahr dar.
- Wie oft sind Kontrollen notwendig?
Nach der Einstellungsphase erfolgen die Kontrollen in der Regel alle paar Monate.
- Hält die Wirkung dauerhaft an?
Die THS wirkt langfristig, kann jedoch das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufhalten.
- Muss ich meinen Stimulator immer mit mir führen?
Der Stimulator ist implantiert. Eine Fernbedienung kann hilfreich sein, muss aber nicht ständig mitgeführt werden.
- Was passiert bei einer Kopfverletzung?
Nach leichten Verletzungen besteht meist kein Problem. Bei stärkeren Verletzungen sollte das System ärztlich überprüft werden.
- Ist ein Defibrillator gefährlich bei THS?
Ein Defibrillator kann trotz THS eingesetzt werden und ist im Notfall lebensrettend. Die Stromimpulse können das System beeinflussen, weshalb nach dem Einsatz eine Überprüfung notwendig ist. Die Defibrillation darf jedoch keinesfalls verzögert werden.
- Was ist in der Zukunft noch zu erwarten?
Adaptive Systeme passen die Stimulation in Echtzeit an gemessene Hirnsignale an. Diese Technologie verspricht eine noch individuellere Therapie, befindet sich jedoch derzeit noch in einer frühen Entwicklungsphase.
Jürgen Zender, 20.04.2026

