Vier neue Wege: Was die kommenden Parkinson-Therapien wirklich versprechen

Levodopa rund um die Uhr unter die Haut, neue Nervenzellen aus dem Labor, Antikörper gegen ein falsch gefaltetes Eiweiß und Gene, die dem Gehirn einen Wachstumsfaktor liefern: Eine aktuelle Übersichtsarbeit benennt vier Ansätze, die die Behandlung in den kommenden Jahren prägen könnten. Wir haben nachgesehen, wie weit jeder einzelne tatsächlich ist – und wo die Lücke zwischen Schlagzeile und Studienlage am größten ist.

Rubrik: Brennpunkt Parkinson  ·  Lesezeit: ca. 14 Minuten  ·  Erschienen am 18. September 2026

Es gibt in der Parkinson-Sprechstunde zwei Sätze, die fast jeder schon gehört hat. Der eine lautet: „Wir haben gute Medikamente gegen die Symptome.“ Der andere: „Am Verlauf der Erkrankung können wir bisher nichts ändern.“ Beide Sätze stimmen seit über fünfzig Jahren. Genau deshalb horcht man auf, wenn zwei Neurologinnen und Neurologen der Universität Toronto im September 2026 in der Fachzeitschrift Parkinsonism & Related Disorders schreiben, vier Therapieansätze würden die Behandlung der Parkinson-Krankheit in den kommenden Jahren voraussichtlich verändern.

Die Arbeit von Ay An und Lorraine Kalia ist keine neue Studie, sondern eine Einordnung – eine Übersicht darüber, was gerade aus den Laboren und Studienzentren in die Kliniken drängt. Gerade deshalb ist sie nützlich: Sie sortiert vier sehr unterschiedliche Entwicklungen, die in der Berichterstattung gern in einen Topf geworfen werden. Zwei davon lindern Symptome, zwei zielen auf den Krankheitsverlauf selbst. Der Unterschied ist für Betroffene erheblich, und er entscheidet darüber, wie viel Hoffnung im Einzelfall angebracht ist.

Zuerst die wichtigste Unterscheidung

Symptomatische Therapien ersetzen, was fehlt: Dopamin. Sie wirken oft eindrucksvoll, ändern aber nichts daran, dass weiter Nervenzellen zugrunde gehen. Alles, was wir heute verschreiben – Levodopa, Dopaminagonisten, die tiefe Hirnstimulation – gehört in diese Gruppe. Krankheitsmodifizierende Therapien dagegen sollen den Untergang der Zellen bremsen oder aufhalten. Eine solche Therapie gibt es bisher nicht, trotz Dutzender Anläufe.

Von den vier Ansätzen der Übersichtsarbeit sind zwei eindeutig symptomatisch: die kontinuierliche Levodopa-Infusion unter die Haut und, mit Einschränkungen, der Zellersatz. Zwei zielen auf den Verlauf: die Immuntherapie gegen Alpha-Synuclein und die Gentherapie. Die symptomatischen sind am weitesten, die verlaufsverändernden am spannendsten – und am unsichersten. Das ist keine Zufälligkeit, sondern die Regel in diesem Feld.

Weg 1: Levodopa rund um die Uhr, ohne Operation

Das älteste Problem der Parkinson-Therapie ist kein biologisches, sondern ein zeitliches. Levodopa wirkt hervorragend, aber es wird geschluckt, gelangt stoßweise ins Blut und hat eine kurze Halbwertszeit. Nach Jahren reagiert das Gehirn auf dieses Auf und Ab mit Wirkungsschwankungen: Off-Phasen, in denen die Beweglichkeit einbricht, und Überbewegungen, wenn der Spiegel zu hoch ist. Wer diese Phase erreicht, hatte bisher im Wesentlichen drei Optionen – häufigere Tabletteneinnahmen, eine tiefe Hirnstimulation oder eine Levodopa-Gelpumpe über eine Sonde direkt in den Dünndarm. Die beiden letzten setzen eine Operation voraus.

Seit 2024 gibt es eine dritte Möglichkeit ohne Eingriff. Foslevodopa/Foscarbidopa – in Europa als Produodopa, in den USA als Vyalev vermarktet – sind wasserlösliche Vorstufen von Levodopa und Carbidopa, die über eine kleine Pumpe 24 Stunden am Tag unter die Haut laufen. Die Nadel wird alle ein bis drei Tage an einer neuen Stelle am Bauch gesetzt, ähnlich wie bei einer Insulinpumpe. AbbVie hat das Präparat im Januar 2024 in der Europäischen Union eingeführt, die US-Zulassung folgte im Oktober 2024.

Die Zahlen sind ordentlich, aber sie sind keine Sensation. In der Zulassungsstudie sank die tägliche Off-Zeit nach zwölf Wochen um 2,75 Stunden, unter optimierten Tabletten um 0,96 Stunden. Der Unterschied von rund 1,8 Stunden gewonnener Beweglichkeit pro Tag ist für jemanden mit ausgeprägten Schwankungen viel wert – es ist der Unterschied zwischen einem planbaren und einem unplanbaren Nachmittag. In einer Langzeitbeobachtung sank der Anteil der Betroffenen mit morgendlicher Bewegungsstarre über ein Jahr von 78 auf 28 Prozent.

Der Preis dafür steht auf der Haut. Reaktionen an der Einstichstelle – Rötung, Knötchen, Schmerzen, gelegentlich Entzündungen – sind die mit Abstand häufigste Nebenwirkung und der häufigste Grund, die Therapie wieder zu beenden. Wer 24 Stunden täglich eine Nadel trägt, braucht ein sorgfältiges Wechselschema und eine gute Pflegeanleitung. Das ist kein Detail, sondern entscheidet über Erfolg oder Abbruch.

Was daneben noch unterwegs ist: Ein zweites subkutanes System, ND0612 von NeuroDerm, liefert statt einer Vorstufe direkt gelöstes Levodopa/Carbidopa und wird über 24 Stunden infundiert. In der Zulassungsstudie gewannen Behandelte etwa 1,75 Stunden zusätzliche gute On-Zeit. Die Zulassung in den USA steht dennoch aus: Die Arzneimittelbehörde FDA hat den Antrag im Juni 2024 und erneut im Oktober 2025 zurückgewiesen – nicht wegen fehlender Wirksamkeit, sondern wegen offener Fragen zur Sicherheit eines Bestandteils, zur Produktqualität und zu Herstellung und Gerät. Ein solcher Bescheid ist keine endgültige Ablehnung, verzögert die Sache aber erheblich.

Weg 2: Neue Zellen – der alte Traum, diesmal besser gemacht

Die Idee, verlorene Dopaminzellen schlicht zu ersetzen, ist über dreißig Jahre alt. In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde Gewebe aus abgetriebenen Föten in das Putamen von Betroffenen verpflanzt. Einzelne Patienten profitierten jahrzehntelang, andere entwickelten schwer behandelbare Überbewegungen, die Ergebnisse waren uneinheitlich, und die ethischen wie praktischen Hürden waren enorm. Das Verfahren verschwand.

Was es zurückgebracht hat, ist die Stammzelltechnik. Aus pluripotenten Stammzellen lassen sich heute im Labor dopaminerge Vorläuferzellen in gleichbleibender Qualität und ausreichender Menge herstellen – standardisiert, planbar, ohne fötales Gewebe. Zwei Studien haben dieses Feld 2025 wieder auf die Landkarte gebracht.

Die eine kommt aus Kyoto und erschien im April 2025 in Nature. Sieben Betroffene im Alter zwischen 50 und 69 Jahren erhielten beidseits Vorläuferzellen, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen gewonnen wurden – also aus umprogrammierten Körperzellen eines Spenders. Nach zwei Jahren gab es keine schweren Nebenwirkungen; von 73 beobachteten Ereignissen waren alle leicht bis mittelschwer, und die Kernbefürchtung bei Stammzellen – ein unkontrolliertes Wachstum des Transplantats – trat in der Bildgebung nicht ein. Bei sechs auswertbaren Teilnehmern verbesserte sich der motorische Wert im Off-Zustand bei vier Personen, im On-Zustand bei fünf; im Mittel um 9,5 Punkte beziehungsweise 4,3 Punkte. Die PET-Untersuchung zeigte, dass die transplantierten Zellen tatsächlich Dopamin produzierten.

Die andere Linie verfolgt BlueRock Therapeutics, ein Tochterunternehmen von Bayer, mit dem Präparat Bemdaneprocel. In der Phase-1-Studie erhielten zwölf Betroffene entweder 0,9 oder 2,7 Millionen Zellen pro Gehirnhälfte. Auf dem Kongress der amerikanischen Neurologengesellschaft wurden 2026 die Dreijahresdaten vorgestellt: stabile Werte in der Niedrigdosisgruppe, ein Trend zur Verbesserung in der Hochdosisgruppe, weniger Off-Zeit und mehr gute On-Zeit in den Tagebüchern, ein gutes Sicherheitsprofil und im PET überlebende Transplantate. Seit 2025 läuft die entscheidende Phase-3-Studie exPDite-2 mit rund 102 Teilnehmenden in den USA, Kanada und Australien – randomisiert gegen eine Scheinoperation.

Warum die Zahlen vorsichtig zu lesen sind: Sieben beziehungsweise zwölf Teilnehmende, keine Kontrollgruppe, offene Behandlung. Gerade bei der Parkinson-Krankheit sind Placeboeffekte nach einer Hirnoperation groß und gut dokumentiert – allein das Wissen, operiert worden zu sein, verbessert messbar die Motorik, teils über Monate. Deshalb ist der Vergleich gegen eine Scheinoperation in exPDite-2 kein bürokratisches Beiwerk, sondern der eigentliche Test. Vor dessen Ergebnis lässt sich über die Wirksamkeit seriös nichts sagen. Und selbst wenn er gelingt: Ersetzt werden Dopaminzellen, nicht die Ursache. Die Erkrankung betrifft auch Nervenzellen, die kein Dopamin herstellen – Zellersatz kann Beweglichkeit zurückgeben, aber nicht den Verlauf stoppen.

Weg 3: Antikörper gegen Alpha-Synuclein – zäher als erhofft

Im Zentrum der Parkinson-Krankheit steht ein Eiweiß namens Alpha-Synuclein. Es verklumpt, lagert sich in Nervenzellen ab und breitet sich offenbar von Zelle zu Zelle aus. Die Überlegung liegt nahe: Fängt man das Eiweiß im Zwischenraum mit einem Antikörper ab, müsste sich die Ausbreitung verlangsamen lassen. Das ist dieselbe Logik, die bei der Alzheimer-Krankheit gegen Amyloid verfolgt wird – dort mit inzwischen zugelassenen, aber in ihrem Nutzen umstrittenen Präparaten.

Bei Parkinson ist diese Strategie bisher nicht aufgegangen, zumindest nicht auf den ersten Blick. Der Antikörper Cinpanemab scheiterte deutlich. Prasinezumab, entwickelt von Prothena und Roche, verfehlte in der Phase-2-Studie PASADENA den primären Endpunkt, zeigte aber Signale in Nebenauswertungen. Die daraufhin aufgelegte Studie PADOVA mit 586 Betroffenen im frühen Stadium verfehlte ihr Ziel ebenfalls – der Zeitpunkt der bestätigten motorischen Verschlechterung verschob sich unter dem Antikörper zwar, aber nicht statistisch belastbar: Das Risikoverhältnis betrug 0,84 bei einem p-Wert von 0,0657. Erst in der vorab festgelegten Untergruppe der mit Levodopa behandelten Teilnehmenden, immerhin drei Vierteln der Studie, lag der Wert bei 0,79 und damit nominell im signifikanten Bereich.

Roche hat daraus im Juni 2025 den Schluss gezogen, dennoch in die Phase III zu gehen. Das ist eine mutige und durchaus umstrittene Entscheidung. Für sie spricht, dass mehrere unabhängige Auswertungen in dieselbe Richtung zeigen und dass die Verträglichkeit über inzwischen mehr als 900 behandelte Personen gut ist. Gegen sie spricht, dass Untergruppen-Ergebnisse aus einer Studie, die ihr Hauptziel verfehlt hat, in der Medizingeschichte eine schlechte Trefferquote haben. Die Übersichtsarbeit formuliert es zurückhaltend: Fortschritte in der Antikörpertechnik und eine durch Biomarker gesteuerte Auswahl der Teilnehmenden könnten helfen, das Potenzial zu klären. Das ist ein ehrlicher Satz – und er heißt im Klartext: Wir wissen es noch nicht.

Weg 4: Gentherapie – ein Wachstumsfaktor auf Dauerauftrag

Gentherapie bedeutet bei der Parkinson-Krankheit nicht, einen Gendefekt zu reparieren. Bei der weitaus häufigsten Form gibt es keinen einzelnen Defekt, der sich reparieren ließe. Stattdessen wird ein harmloses Virus als Transportmittel benutzt, um eine Bauanleitung in Nervenzellen einzuschleusen – damit diese Zellen anschließend selbst dauerhaft eine bestimmte Substanz herstellen.

Am weitesten ist dieser Ansatz mit AB-1005 von AskBio, ebenfalls einem Bayer-Unternehmen. Das Virus liefert die Bauanleitung für GDNF, einen Wachstumsfaktor für Nervenzellen, und wird in einer mehrstündigen Operation gezielt in das Putamen eingebracht. In der Phase-1b-Studie mit elf Betroffenen – sechs mit leichter, fünf mit mittelschwerer Erkrankung – erreichte man nach 18 Monaten eine Abdeckung von 63 Prozent des Zielgebiets. In der Gruppe mit mittelschwerer Erkrankung verbesserte sich der motorische Wert um 20,4 Punkte, die gute On-Zeit stieg um 2,2 Stunden, die Off-Zeit sank um 1,7 Stunden, und die tägliche Levodopa-Dosis konnte im Mittel um 258 Milligramm reduziert werden. Schwerwiegende Nebenwirkungen, die dem Präparat zuzuschreiben wären, traten nicht auf. Die randomisierte Phase-2-Studie REGENERATE-PD läuft inzwischen in den USA, der EU und Großbritannien.

Auch hier ist Zurückhaltung angebracht, und zwar aus historischen Gründen: GDNF ist kein neuer Kandidat. In den 2000er- und 2010er-Jahren wurde der Wachstumsfaktor mehrfach direkt ins Gehirn infundiert, mit beeindruckenden Bildern in der Bildgebung – und ohne belastbaren klinischen Nutzen in den kontrollierten Studien. Die Hoffnung bei der Gentherapie ist, dass eine dauerhafte, gleichmäßige Produktion im Gewebe gelingt, wo eine Infusion von außen scheiterte. Plausibel ist das. Bewiesen ist es nicht, und elf Personen ohne Kontrollgruppe können es nicht beweisen.

Die vier Ansätze im Überblick

Ansatz Was er leisten soll Wie weit er ist Offene Fragen
Subkutane Levodopa-Infusion (Foslevodopa/Foscarbidopa) Gleichmäßiger Wirkspiegel rund um die Uhr, weniger Off-Zeit, ohne Operation In der EU seit 2024 zugelassen und verfügbar Hautreaktionen an der Infusionsstelle als häufigster Abbruchgrund; ändert den Verlauf nicht
Subkutane Levodopa-Infusion (ND0612) Dasselbe Prinzip mit gelöstem Levodopa Wirksamkeit gezeigt, Zulassung in den USA zweimal zurückgestellt Fragen zu Qualität, Herstellung und Gerät noch offen
Zellersatz (Bemdaneprocel, iPS-Zellen aus Kyoto) Neue dopaminproduzierende Zellen im Putamen Kleine Frühphasenstudien abgeschlossen, Phase 3 seit 2025 laufend Kein Nachweis gegen Scheinoperation; nur der Dopaminmangel wird adressiert
Immuntherapie gegen Alpha-Synuclein (Prasinezumab) Ausbreitung des verklumpten Eiweißes bremsen, Verlauf verlangsamen Zwei Studien mit verfehltem Hauptziel, Phase III dennoch beschlossen Trägt das Untergruppen-Signal? Welche Betroffenen profitieren überhaupt?
Gentherapie (AB-1005, AAV2-GDNF) Dauerhafte Produktion eines Wachstumsfaktors im Gehirn Phase 1b abgeschlossen, Phase 2 randomisiert im Gang GDNF ist in früheren Darreichungsformen bereits gescheitert; Eingriff ist eine Hirnoperation

Eine Lehre aus dem letzten Jahr

Wie schnell eine große Hoffnung platzen kann, hat das Diabetesmedikament Exenatide vorgeführt. Nach vielversprechenden kleineren Untersuchungen galt der Wirkstoff jahrelang als aussichtsreichster Kandidat für eine verlaufsverändernde Therapie; Betroffene fragten in den Sprechstunden gezielt danach. Im Februar 2025 erschien im Lancet die britische Phase-3-Studie: kein Unterschied zu Placebo, weder in der Beweglichkeit noch in irgendeinem anderen wesentlichen Messwert. Zwei Jahre Behandlung, sauberes Design, eindeutiges Ergebnis.

Das ist keine Geschichte des Scheiterns, sondern eine des funktionierenden Verfahrens. Genau dafür sind große kontrollierte Studien da. Für Betroffene enthält sie eine praktische Botschaft: Die Reihenfolge, in der Nachrichten eintreffen, entspricht nicht der Reihenfolge ihrer Verlässlichkeit. Eine Pressemitteilung über zwölf behandelte Personen steht früher in der Zeitung als das ernüchternde Ergebnis einer Studie mit zweihundert.

Was das für Sie heute bedeutet

Für den größten Teil der Leserinnen und Leser ändert sich durch diese vier Entwicklungen im Moment nichts an der eigenen Behandlung – mit einer Ausnahme. Wer ausgeprägte Wirkungsschwankungen hat, bei dem sich Tabletten nicht mehr sinnvoll nachjustieren lassen, und wer eine Operation scheut oder aus medizinischen Gründen nicht infrage kommt, für den ist die subkutane Levodopa-Infusion eine reale, zugelassene und in Deutschland verfügbare Option. Darüber lohnt sich ein Gespräch, und zwar bevor die Off-Phasen den Tag bestimmen.

Die drei anderen Ansätze sind Studienthemen. Das ist kein Grund, sie abzutun – Studienteilnahme ist eine Möglichkeit, früher an etwas heranzukommen, und sie ist der Grund, warum es überhaupt Fortschritt gibt. Sie ist aber auch mit Aufwand, Unsicherheit und im Fall der operativen Verfahren mit echten Risiken verbunden. Wer sich dafür interessiert, findet laufende Studien mit deutscher Beteiligung im Studienarchiv des Parkinson-Journals.

Fragen, die sich für die nächste Sprechstunde lohnen:

  • Habe ich Wirkungsschwankungen in einem Ausmaß, das eine Pumpentherapie rechtfertigen würde – und welche der verfügbaren Verfahren kämen für mich infrage?
  • Wenn eine subkutane Infusion erwogen wird: Wer betreut die Einstellung, und wer hilft mir bei der Pflege der Einstichstellen?
  • Gibt es in meiner Nähe ein Zentrum, das an Studien zu neuen Therapien teilnimmt?
  • Welche Voraussetzungen müsste ich für eine Studienteilnahme erfüllen – und schließt eine Teilnahme spätere Behandlungen aus?
  • Was ist in meinem Fall die nächste sinnvolle Anpassung der bestehenden Therapie, unabhängig von allem, was gerade erforscht wird?

Fazit

Die vier Wege, die die Übersichtsarbeit beschreibt, sind unterschiedlich weit und unterschiedlich ehrgeizig. Am nächsten ist das Bescheidenste: Levodopa gleichmäßig unter die Haut zu bringen, ist keine Revolution, aber es ist zugelassen, es wirkt, und es hilft heute Menschen, deren Tag sonst in Off-Phasen zerfällt. Der Zellersatz ist technisch beeindruckend und steht erstmals in einer Studie, die die entscheidende Frage stellen kann. Immuntherapie und Gentherapie sind die Ansätze mit der größten Fallhöhe – sie zielen auf das, was wir wirklich brauchen, und haben genau deshalb die höchste Wahrscheinlichkeit zu scheitern.

Man darf beides gleichzeitig denken: dass dieses Jahrzehnt wahrscheinlich mehr Bewegung in die Parkinson-Therapie bringt als die vier davor – und dass keiner dieser Ansätze bewiesen hat, den Verlauf der Erkrankung zu verändern. Wer heute mit der Krankheit lebt, fährt am besten damit, die bewährten Mittel konsequent auszuschöpfen, sich zu bewegen, und die Nachrichten aus der Forschung mit wachem, aber geduldigem Interesse zu verfolgen. Die entscheidenden Ergebnisse kommen nicht in den nächsten Wochen. Aber sie kommen.

Quellenverzeichnis

  1. An AY, Kalia LV. Emerging therapies expected to make a difference in Parkinson’s disease management. Parkinsonism & Related Disorders, 9. September 2026. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42744685/
  2. Sawamoto N, Doi D, Nakanishi E et al. Phase I/II trial of iPS-cell-derived dopaminergic cells for Parkinson’s disease. Nature 641, 971–977, Mai 2025. https://www.nature.com/articles/s41586-025-08700-0
  3. FDA Approves AbbVie’s 24-Hour Foscarbidopa/Foslevodopa Pump for Advanced Parkinson Disease Treatment. NeurologyLive, Oktober 2024. neurologylive.com
  4. AbbVie Launches PRODUODOPA (foslevodopa/foscarbidopa) in the European Union. Januar 2024. news.abbvie.com
  5. Second FDA Response Letter Issued for ND0612 Therapy. Michael J. Fox Foundation, Oktober 2025. michaeljfox.org
  6. Roche to advance prasinezumab into Phase III development for early-stage Parkinson’s disease. Juni 2025. roche.com
  7. AAN 2026: Parkinson’s cell therapy trial shows sustained benefits (Bemdaneprocel, 36 Monate). Parkinson’s News Today. parkinsonsnewstoday.com
  8. Parkinson Gene Therapy AB-1005 Continues to Show Promising Results at 18 Months. NeurologyLive. neurologylive.com
  9. Vijiaratnam N, Girges C, Auld G et al. Exenatide once a week versus placebo as a potential disease-modifying treatment for people with Parkinson’s disease in the UK: a phase 3 randomised trial. The Lancet, Februar 2025. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39919773/
  10. A Study to Investigate the Efficacy and Safety of Bemdaneprocel in Adults Who Have Parkinson’s Disease (exPDite-2, NCT06944522). clinicaltrials.gov

Adaptive Hirnstimulation: der mitdenkende Schrittmacher auf dem Prüfstand

Ein Hirnschrittmacher, der die Aktivität des Gehirns belauscht und seine Impulse selbst nachregelt – das klingt nach dem nächsten großen Schritt in der Parkinson-Therapie. Seit 2025 ist die Technik in Europa zugelassen. Eine neue Übersichtsarbeit zieht jetzt eine nüchterne Zwischenbilanz: Machbar ja, überlegen bislang nicht bewiesen.

Rubrik: Brennpunkt Parkinson  ·  Lesezeit: ca. 12 Minuten  ·  Erschienen am 18. September 2026

Wer sich in den vergangenen Monaten über die tiefe Hirnstimulation informiert hat, ist um ein Wort kaum herumgekommen: adaptiv. Der Hersteller spricht von einer „neuen Ära“ der personalisierten Neurotherapie, Fachmedien vom „intelligenten Schrittmacher“, und in Selbsthilfegruppen kursiert die Frage, ob man sein bestehendes System nicht besser umstellen lassen sollte. Grund genug, genau hinzuschauen: Was kann die adaptive tiefe Hirnstimulation wirklich, was ist durch Studien belegt – und was ist bislang vor allem ein überzeugendes technisches Konzept?

Was die tiefe Hirnstimulation heute leistet

Die tiefe Hirnstimulation (THS, englisch DBS für deep brain stimulation) gehört seit rund drei Jahrzehnten zu den wirksamsten Behandlungen bei fortgeschrittener Parkinson-Krankheit. Über hauchdünne Elektroden, die meist im Nucleus subthalamicus platziert werden, gibt ein unter dem Schlüsselbein implantierter Impulsgeber kontinuierlich elektrische Impulse ab. Bei gut ausgewählten Patientinnen und Patienten verringert das Wirkungsschwankungen, Überbewegungen und Zittern erheblich – und erlaubt häufig, die Levodopa-Dosis deutlich zu senken.

Der Haken der klassischen, konventionellen Stimulation (cDBS): Sie ist starr. Der Impulsgeber liefert Tag und Nacht dieselbe Stromstärke, dieselbe Frequenz, dieselbe Impulsbreite – unabhängig davon, ob die Medikamente gerade gut wirken oder nicht, ob jemand schläft, spricht, isst oder spazieren geht. Der Bedarf des Gehirns schwankt aber im Tagesverlauf ganz erheblich. Ist die Stimulation für die schlechten Phasen eingestellt, kann sie in den guten Phasen zu viel sein und Überbewegungen oder Sprechstörungen begünstigen. Ist sie für die guten Phasen eingestellt, reicht sie in den schlechten nicht aus.

Die Idee: ein Schrittmacher, der zuhört

Genau hier setzt die adaptive tiefe Hirnstimulation (aDBS) an. Moderne Impulsgeber können über dieselben Elektroden, mit denen sie stimulieren, auch die elektrische Aktivität des Gehirns messen. Besonders interessant ist dabei ein Frequenzbereich zwischen etwa 13 und 30 Hertz, die sogenannten Beta-Oszillationen. Bei der Parkinson-Krankheit sind diese Beta-Wellen im Nucleus subthalamicus krankhaft verstärkt, und ihre Stärke geht mit der Ausprägung von Bewegungsverlangsamung und Steifigkeit einher. Wirkt das Levodopa, sinkt die Beta-Aktivität; lässt die Wirkung nach, steigt sie wieder.

Ein adaptives System nutzt diese Beta-Aktivität als Biomarker: Steigt sie über eine festgelegte Schwelle, erhöht der Impulsgeber automatisch die Stimulationsstärke; fällt sie darunter, fährt er sie zurück. Die Stimulation folgt damit dem tatsächlichen Bedarf – in Sekunden bis Minuten, ohne dass jemand einen Regler bedienen muss. Das erste kommerzielle System dieser Art, Medtronics BrainSense Adaptive auf dem Percept-Impulsgeber, erhielt im Januar 2025 die CE-Kennzeichnung und im Februar 2025 die Zulassung der US-Behörde FDA. Es wird in zwei Modi angeboten: Im „Single-Threshold“-Modus reagiert das Gerät auf eine Schwelle, im „Dual-Threshold“-Modus pendelt es zwischen zwei Grenzwerten und passt die Stimulation langsamer, dafür kontinuierlicher an.

Gut zu wissen: Die adaptive Stimulation ist keine neue Operation. Sie setzt einen Impulsgeber voraus, der Hirnsignale aufzeichnen kann. Wer bereits ein solches System trägt, kann grundsätzlich per Programmierung umgestellt werden. Bei älteren Impulsgebern ohne Messfunktion wäre ein Austausch des Aggregats nötig – die Elektroden im Gehirn bleiben davon unberührt.

Die neue Übersichtsarbeit: ein kühler Blick auf die Datenlage

Im September 2026 hat eine internationale Arbeitsgruppe um den Oxforder Neurochirurgen Mario Ganau in der Fachzeitschrift Acta Neurologica Belgica eine strukturierte Übersichtsarbeit veröffentlicht, die eine einfache Frage stellt: Bringt die adaptive Stimulation bei Bradykinesie und Akinesie – also bei der Verlangsamung und Verarmung der Bewegungen – einen klinisch bedeutsamen Vorteil gegenüber einer gut eingestellten konventionellen Stimulation? Die Autoren durchsuchten dafür die großen medizinischen Datenbanken, ordneten die gefundenen Studien nach Vergleichsdesign, Steuerungsstrategie und Zielgröße und bewerteten sie nach ihrer Aussagekraft.

Das Ergebnis ist ernüchternd, wenn man den Marketing-Ton der vergangenen Monate im Ohr hat. Die klinische Evidenz besteht demnach überwiegend aus Machbarkeitsstudien, kurzen Cross-over-Untersuchungen und kleinen Fallserien. Die direkten Vergleiche mit der konventionellen Stimulation fanden in der Regel keinen Unterschied bei den motorischen Ergebnissen – und waren zugleich fast alle zu klein, um einen Unterschied überhaupt verlässlich nachweisen oder ausschließen zu können. Mehrere Beta-gesteuerte Verfahren senkten zwar die Stimulationszeit oder die abgegebene Energie. Das gelte aber nicht durchgängig, und man dürfe daraus nicht ableiten, dass die Symptome besser kontrolliert, Nebenwirkungen seltener oder die Batterielaufzeit länger sei. Die zentrale Feststellung lautet wörtlich übersetzt: Keine ausreichend große, randomisierte Studie hat bislang die klinische Überlegenheit der adaptiven gegenüber einer optimierten konventionellen Stimulation gezeigt.

Besonders dünn ist die Datenlage nach Einschätzung der Autoren bei allem, was über die Kardinalsymptome hinausgeht: Gang, Sprechen, Denkleistung, Stimmung und andere nicht-motorische Aspekte sind kaum untersucht. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die vorhandenen Studien in fast allen Punkten unterscheiden – bei der Auswahl der Patienten, dem Stimulationsziel, dem verwendeten Biomarker, dem Steuerungsalgorithmus, dem Medikamentenzustand während der Messung, den Zielgrößen, der Nachbeobachtung und dem zeitlichen Abstand zur Operation. Ergebnisse lassen sich deshalb kaum zusammenführen.

Was die wichtigsten Studien tatsächlich zeigen

Wer die Übersichtsarbeit gegen die meistzitierten Einzelstudien hält, versteht die Zurückhaltung. Die Studie, die 2024 für die größten Schlagzeilen sorgte, stammt von Carina Oehrn und Kollegen aus San Francisco und erschien in Nature Medicine: Bei allen Teilnehmern besserte sich unter adaptiver Stimulation das jeweils störendste Symptom, die Lebensqualität stieg. Die Zahl der Teilnehmer: vier. Es war eine verblindete, randomisierte Machbarkeitsstudie mit aufwendig individualisierten Biomarkern – wissenschaftlich elegant, aber keine Grundlage für Behandlungsempfehlungen.

Die bislang größte Untersuchung ist die Zulassungsstudie ADAPT-PD des Herstellers, veröffentlicht im September 2025 in JAMA Neurology. An zehn Zentren in den USA, Kanada, den Niederlanden und Frankreich wurden 45 Patientinnen und Patienten jeweils 30 Tage lang mit adaptiver und mit kontinuierlicher Stimulation behandelt. Die gute „On-Zeit“ mit ausreichender Beweglichkeit war in beiden Modi vergleichbar. Im Dual-Threshold-Modus zeigte sich ein Zugewinn von etwa 1,3 Stunden guter On-Zeit und 1,6 Stunden weniger Off-Zeit pro Tag, bei gleichzeitig geringerer abgegebener Stimulationsenergie. Am eindrucksvollsten wirkt die Zahl, mit der der Hersteller wirbt: 44 von 45 Teilnehmern, also 98 Prozent, wollten nach der Studie beim adaptiven Modus bleiben. Was in den Pressemitteilungen seltener erwähnt wird: Die Studie war nicht randomisiert und nicht verblindet. Die Teilnehmer wussten, dass sie die neue Technik ausprobierten. Wie viel von der Präferenz auf tatsächlich bessere Symptomkontrolle zurückgeht und wie viel auf die Erwartung, lässt sich aus diesem Design nicht ableiten.

Einen anderen Weg ging eine Arbeitsgruppe aus Lausanne um Eduardo Martin Moraud, deren Ergebnisse im Juni 2026 ebenfalls in Nature Medicine erschienen. Statt auf Beta-Wellen setzt ihr System auf die Erkennung der aktuellen Tätigkeit – Sitzen, Stehen, Gehen – aus den Hirnsignalen und passt die Stimulation an den Bewegungskontext an. Bei Gangstörungen und Freezing, also dem plötzlichen Einfrieren der Schritte, zeigte das Verfahren im Alltag bemerkenswerte Effekte. Auch hier gilt: Die Signale wurden an 35 Personen analysiert, die eigentliche Behandlung aber nur bei vier Betroffenen erprobt.

Studie Jahr Teilnehmer Design Kernaussage
Oehrn et al., Nature Medicine 2024 4 randomisiert, verblindet, Cross-over, zu Hause Störendstes Symptom deutlich gebessert, Lebensqualität gestiegen; Pilotstudie
ADAPT-PD (Bronte-Stewart et al.), JAMA Neurology 2025 45 nicht randomisiert, offen, 30 Tage je Modus, Langzeitbeobachtung On-Zeit vergleichbar, Dual-Threshold-Modus mit Zugewinn von ca. 1,3 h; 98 % bevorzugen aDBS
Scafa et al., Nature Medicine 2026 35 (Signale) / 4 (Therapie) aktivitätsabhängige Steuerung, Machbarkeit Gang und Freezing im Alltag gebessert; sehr kleine Therapiegruppe
Tchantchaleishvili et al., Acta Neurologica Belgica 2026 Übersichtsarbeit strukturierte Literaturanalyse Keine ausreichend große randomisierte Studie belegt Überlegenheit; Daten zu Gang, Sprache, Kognition fehlen

Warum „weniger Strom“ nicht automatisch „besser“ heißt

Ein Argument taucht in fast jeder Darstellung der adaptiven Stimulation auf: Sie liefere im Schnitt weniger Energie, schone also Batterie und Gehirn. Die Übersichtsarbeit warnt ausdrücklich davor, daraus mehr zu machen, als die Daten hergeben. Weniger Energie ist zunächst nur weniger Energie. Ob dadurch tatsächlich Nebenwirkungen wie Sprechstörungen oder Überbewegungen seltener werden, ob die Batterie messbar länger hält – und ob nicht umgekehrt in manchen Situationen zu wenig stimuliert wird –, ist in keiner ausreichend großen Studie untersucht.

Hinzu kommt eine methodische Schwäche des Beta-Biomarkers selbst. Beta-Wellen sind ein guter Indikator für Verlangsamung und Steifigkeit, aber ein schlechter für Zittern und für Überbewegungen. Ein rein Beta-gesteuertes System „sieht“ diese Symptome nicht zuverlässig. Auch Bewegung selbst dämpft die Beta-Aktivität – was dazu führen kann, dass das System die Stimulation genau dann herunterfährt, wenn jemand aktiv ist. Die Hersteller begegnen dem mit Mindest- und Höchstwerten, innerhalb derer sich die Stimulation bewegen darf. Das macht das System sicherer, aber auch weniger „adaptiv“, als der Name verspricht.

Was das für Betroffene bedeutet

Die gute Nachricht zuerst: Die adaptive Stimulation ist nach allem, was die Studien zeigen, sicher. Sie ist im Schnitt nicht schlechter als die konventionelle Stimulation, in Einzelfällen spürbar besser, und die große Mehrheit derjenigen, die sie ausprobiert haben, möchte sie behalten. Wer ein Percept-System trägt und unter ausgeprägten Wirkungsschwankungen leidet, hat mit dem adaptiven Modus eine zusätzliche Option, die im Rahmen einer normalen Programmiersitzung getestet werden kann.

Ebenso klar ist: Es gibt derzeit keinen wissenschaftlichen Grund, ein gut funktionierendes konventionelles System umstellen oder gar einen funktionierenden älteren Impulsgeber vorzeitig austauschen zu lassen. „Optimierte konventionelle Stimulation“ – so nennen es die Autoren der Übersichtsarbeit – bleibt der Maßstab, und in vielen Fällen liegt der größere Nutzen in einer sorgfältigen Nachjustierung der bestehenden Einstellung, nicht in neuer Technik. Wer ohnehin vor der Entscheidung für eine Operation steht, sollte die Messfunktion des Impulsgebers dagegen sehr wohl in die Überlegung einbeziehen: Sie hält die Tür zur adaptiven Stimulation offen, ohne sie zu erzwingen.

Für das Gespräch mit der behandelnden Neurologin oder dem Neurologen können folgende Fragen hilfreich sein:

  • Kann mein Impulsgeber Hirnsignale aufzeichnen, und ist bei mir ein verwertbares Beta-Signal messbar?
  • Welches Problem soll die Umstellung konkret lösen – Wirkungsschwankungen, Überbewegungen, Sprechstörungen? Und ist das ein Symptom, auf das ein Beta-gesteuertes System überhaupt reagiert?
  • Wie sieht die Testphase aus, und wie leicht lässt sich bei Unzufriedenheit zurückwechseln?
  • Ist meine konventionelle Einstellung in den letzten Monaten überhaupt systematisch überprüft worden?

Fazit

Die adaptive tiefe Hirnstimulation ist ein technisch beeindruckendes Konzept mit einer überzeugenden physiologischen Begründung, und die Zulassung im Jahr 2025 war ein wichtiger Schritt. Was fehlt, ist der Beweis, dass sie im Alltag der Betroffenen tatsächlich mehr leistet als eine gut eingestellte konventionelle Stimulation. Die vorhandenen Studien sind klein, kurz, uneinheitlich und – im Fall der größten – nicht verblindet. Die neue Übersichtsarbeit fasst diesen Stand präzise zusammen und fordert das, was jetzt nötig ist: große randomisierte Studien mit einheitlichen Zielgrößen und langer Nachbeobachtung, die auch Gang, Sprache, Denken und Stimmung erfassen. Bis dahin gilt: Hoffnung ist berechtigt, Erwartung sollte realistisch bleiben. Der mitdenkende Schrittmacher muss erst noch beweisen, dass er besser denkt als ein gut programmierter.

Quellenverzeichnis

  1. Tchantchaleishvili N, Natsvaladze T, Netliukh A, Su Z, Ganau M. Adaptive versus conventional deep brain stimulation for bradykinesia in Parkinson’s disease: a comparative effectiveness analysis. Acta Neurologica Belgica, 14. September 2026. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42734895/
  2. Oehrn CR, Cernera S, Hammer LH et al. Chronic adaptive deep brain stimulation versus conventional stimulation in Parkinson’s disease: a blinded randomized feasibility trial. Nature Medicine 2024. https://www.nature.com/articles/s41591-024-03196-z
  3. Bronte-Stewart H et al. Adaptive deep brain stimulation for Parkinson disease: the ADAPT-PD trial. JAMA Neurology, September 2025. Zusammenfassung des Herstellers: https://news.medtronic.com/
  4. Scafa S, de Seta V, Wang R et al., Moraud EM. Activity-dependent adaptive deep brain stimulation improves gait in Parkinson’s disease. Nature Medicine, Juni 2026. https://www.nature.com/articles/s41591-026-04432-4
  5. NeurologyLive: Medtronic’s BrainSense Adaptive DBS and Electrode Identifier Gain CE Mark Approval for Parkinson Disease, Januar 2025. neurologylive.com
  6. NeurologyLive: FDA Approves Medtronic’s Adaptive Deep Brain Stimulation for Parkinson Disease, Februar 2025. neurologylive.com
  7. Parkinson’s Europe: Adaptive DBS responds to a patient’s unique brain activity in real time. parkinsonseurope.org

Sozo Brain

SOZO Brain kombiniert vier nicht-invasive Hirnstimulationsverfahren – TPS, tDCS, taVNS und CES – als ergänzende Therapie bei Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen. Die Einzelverfahren sind medizinisch zugelassen und neurophysiologisch plausibel; für TPS und taVNS liegen erste ermutigende Pilotstudien vor. Für tDCS zeigen Meta-Analysen jedoch keinen klaren Gesamteffekt, für CES fehlen Parkinson-spezifische Studien fast vollständig. Das SOZO-Gesamtkonzept – die spezifische Kombination aller Verfahren – wurde bislang in keiner publizierten klinischen Studie untersucht. Dramatische Heilungsberichte in der Vermarktung wecken unrealistische Erwartungen und sind wissenschaftlich nicht belastbar. Als ergänzende Maßnahme zur Standardtherapie mag die Methode Einzelnen nutzen – als Ersatz zur dopaminergen Medikation taugt sie nicht.

Die Suche im Parkinson Journal

Die Parkinson-Stiftung fördert Forschung und Aufklärung, unterstützt Betroffene und bindet sie im neuen Patientenbeirat aktiv in ihre Arbeit ein.

Parkinson Stiftung gründet Patientenbeirat

Die Parkinson-Stiftung fördert Forschung und Aufklärung, unterstützt Betroffene und bindet sie im neuen Patientenbeirat aktiv in ihre Arbeit ein.

Neues aus Stammzellenforschung – Teil 2

Im Frühjahr 2025 wurden bahnbrechende Studien zur Stammzelltherapie bei Parkinson veröffentlicht: Implantierte Dopaminzellen aus Stammzellen zeigten erstmals nachhaltige Wirkung – ohne schwere Nebenwirkungen. Sowohl embryonale Stammzellen als auch patienteneigene iPS-Zellen wurden erfolgreich eingesetzt. Dieser Beitrag erklärt, was die Ergebnisse bedeuten, welche Studien jetzt folgen – und warum viele Expert:innen von einem Wendepunkt sprechen.

Parkinson Netzwerke

Parkinson-Netzwerke vernetzen Ärztinnen, Therapeutinnen, Pflege und Selbsthilfe über alle Grenzen hinweg.
Sie sorgen für bessere Versorgung, schnelleren Informationsaustausch und mehr Lebensqualität für Betroffene.
Erfahre, wo es in Deutschland Parkinson-Netzwerke gibt – und warum sie das Zukunftsmodell der Medizin sind.

Kupfer und Parkinson

Australische Forschende zeigen: Ein gezielter Kupfer-Ausgleich kann bei Mäusen die SOD1-Fehlfunktion korrigieren und Beweglichkeit zurückbringen. Klinische Studien sollen jetzt klären, ob der Ansatz auch Menschen mit Parkinson hilft.

Sind die Nieren Schuld?

Können die Nieren Auslöser von Parkinson sein? Eine aktuelle Studie deutet darauf hin, dass α-Synuklein bei eingeschränkter Nierenfunktion vom Körperfilter ins Gehirn gelangt.

Zelltodforschung

Ein Team internationaler Forscher hat eine vielversprechende Entdeckung gemacht, die das Potenzial hat, den Umgang mit neurodegenerativen Erkrankungen grundlegend zu verändern. Die Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Science Advances, beschreibt ein kleines Molekül, das gezielt den programmierten Zelltod – auch Apoptose genannt – blockieren kann. Damit eröffnet sich ein völlig neuer therapeutischer Ansatz, auch für Betroffene der Parkinson-Krankheit.