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Tipps zur Medikamenteneinnahme bei Parkinson

ein Gastbeitrag von Maria De Leon

Maria De Leon Maria De Leon

Ein Gastbeitrag von Maria De Leon 
Maria De Leon praktizierte viele Jahre als Ärztin und ist selbst an Parkinson erkrankt.



Die meisten von uns, die mit einer chronischen Krankheit wie Parkinson leben, wissen aus erster Hand, wie schwierig es ist, die richtige Kombination von Medikamenten zu finden.

Es scheint, dass wir, sobald wir sie gefunden haben, sehr zögern, neue Dinge auszuprobieren, selbst wenn sich unsere Symptome verschlechtern oder Anpassungen erforderlich sind. Andererseits haben wir keine Angst, uns auf Medikamente zu verlassen oder mögliche Nebenwirkungen, wie die gefürchteten Dyskinesien, in Kauf zu nehmen.

Wie steht es um die Einnahme Vorgaben?

Laut einer Ausgabe des US Pharmacist berichtete ein Team von Apothekern in Carolina, dass schätzungsweise 50 Prozent der Menschen mit einer chronischen Krankheit ihre Medikamente entweder nicht wie vorgeschrieben oder gar nicht einnehmen.

Sie setzen ihre Medikamente ab oder nehmen sie aus so unterschiedlichen Gründen wie Nebenwirkungen, Medikamentenpreis, Übelkeit oder einfach aus Vergesslichkeit uneinheitlich ein.

Das Thema „Einnahme-Regeln“ ist eines, das ich als Patient und ehemalige Ärztin bei der Verschreibung oder Auswahl eines Medikaments immer mit berücksichtige – denn seien wir ehrlich, wir haben trotz chronischer Krankheit immer noch ein Leben zu leben.

Was macht die Einhaltung so schwierig?

Je komplexer unsere Krankheit wird oder je öfter wir tagsüber unsere Medikamente einnehmen müssen, desto schwieriger ist es, den Überblick zu behalten und sich rechtzeitig zu erinnern. Die Einhaltung wird dann zu einem Problem.

Ich vergesse oft jene Medikamente, die nicht mit Mahlzeiten verbunden sind, besonders wenn ich Dinge außerhalb meiner Routine wie z. B. Reisen mache. Deshalb muss ich besonders sorgfältig Wege finden, um sicherzustellen, dass ich meine Medikamente wie vorgeschrieben einnehme. Das ist auch der Grund, warum ich meine Medikamente immer in einer praktischen Pillendose bei mir habe.

Der Routineverlust erschwert die korrekte Einnahme, was in der Folge häufig zu unerwünschten Nebenwirkungen führt.

Vier Tipps zur Einnahme

Nach meiner persönlichen Erfahrung im Umgang mit Patienten und meiner eigenen Krankheit, ist die Einhaltung der Einnahme-Verordnung viel wichtiger als die spezifische Behandlung selbst.

Unter dem Strich ist die Wahrscheinlichkeit einer korrekten Einnahme umso größer, je einfacher und bequemer die Medikamente einzunehmen sind. Damit haben die Medikamente eine größere Chance das zu tun, was sie tun sollen, nämlich das Leben der Patienten zu verbessern. Die Chancen dafür steigen, sobald Sie herausgefunden haben, was für Sie am besten funktioniert.

  1. Beachten Sie das Timing der Medikamente

Die Synchronisierung Ihrer Medikamenteneinnahme mit Ihrem Lebensstil ist eine Herausforderung, die von vielen Ärzten und Patienten oft nicht genügend berücksichtigt wird. So werden uns z. B. Schlafmittel zur Einnahme vor dem Zu-Bett-Gehen verschrieben. Bevor Sie sie jedoch verwenden, sollten Sie Ihre sozialen Aktivitäten, Verantwortlichkeiten und Ihren Lebensstil berücksichtigen. Manchmal müssen wir den Zeitplan unserer Medikamente an unsere Umstände anpassen.

Zum Beispiel dauert es ungefähr 2-3 Stunden, bis meine Schlaftablette wirkt, aber danach muss ich sicherstellen, dass ich volle 8 Stunden schlafe. Andernfalls bin ich am nächsten Tag mental nicht gut drauf. Daher muss ich meinen Dosierungsplan entsprechend oft anpassen.

Das bedeutet, dass ich, während ich meine Tochter um 6 Uhr morgens zur Schule fuhr, abends um 18 Uhr meine Schlaftablette nehmen musste, um gegen 21 Uhr einzuschlafen und unbeeinträchtigt aufwachen zu können.

  1. Seien Sie ergebnisorientiert

Viele Patienten haben einfach Angst vor Nebenwirkungen, man denke nur an Dyskinesien. Diese Angst kann Menschen lähmen und sie davon abhalten, dringend benötigte Medikamente einzunehmen. Ähnlich verhält es sich mit der Unverträglichkeit von Medikamenten. Der ständige Versuchen, mit neuen Medikamenten die „Richtigen“ zu finden, kann dazu führen, dass Patienten und Angehörige frustriert sind und sich häufig für keine oder eine nur unzureichende Betreuung oder gar für die Suche nach einem neuen Arzt entscheiden.

Seien Sie geduldig bei Medikamentenänderungen

Menschen reagieren natürlich unterschiedlich auf Medikamente. Nach meiner persönlichen Erfahrung scheinen Frauen besonders anfällig auf Veränderungen der Medikamentation oder der Nebenwirkungen zu reagieren. Ich bin ein Paradebeispiel dafür. Als Spezialistin kenne ich das Profil jedes Medikaments aus erster Hand. Dennoch kann jede kleine Änderung der Dosis oder des Zeitplanes mir viel Leid bereiten.

Ich verstehe deshalb die Frustration, das Zögern und die Unlust, neue Dinge auszuprobieren. Ich weiß jedoch auch, dass Sie, wenn Sie es nicht versuchen, nicht die beste Kombination finden werden. Dies kann einige Zeit dauern, insbesondere wenn Sie schon eine Weile mit der Krankheit gelebt haben. Haben Sie also Geduld und vertrauen Sie auf das Licht am Ende des Tunnels.

Seien Sie offen für neue Kombinationen

Standardbehandlungen erfordern eine Individualisierung. Ein bestimmtes Medikament bzw. eine bestimmte Dosis passt nicht für alle. Haben Sie keine Angst, neue Kombinationen mit zuvor bereits eingenommenen Medikamenten auszuprobieren. Denken Sie daran, dass manchmal die Kombination das Problem ist, und nicht eine bestimmte Arznei selbst – ich habe dies am eigenen Körper erfahren müssen.

Ich bekam eine schwere Psychose, als ich Topamax und Amantadin kombinierte, aber ich habe keine Probleme, beide Medikamente alleine einzunehmen. Möglicherweise haben Sie auch andere medizinische Probleme , die die Verträglichkeit beeinträchtigen, wie Gastritis oder Infektionen in Ihrem Magen, die eine größere Übelkeit verursachen als zu erwarten wäre. Nach meiner Erfahrung wird sich die Verträglichkeit für Dopamin und Dopaminagonisten dramatisch verbessern, wenn diese Umstände richtig behandelt werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Kommunikationswege zwischen Ihnen und Ihrem Arzt offen zu halten. Sein Wissen darüber, wie Medikamente bei den meisten Menschen wirken, kann als Leitfaden dienen.

  1. Ihr Arzt und Sie als Team

Einen Neurologen zu finden, der versteht und zuhört, ist der Schlüssel. Ich vertraue meiner Ärztin, wenn sie sagt, dass es Zeit ist, meine Medikamente zu optimieren. Sie kennt mich seit 20 Jahren und möchte nur mein Bestes.
Da es sich bei Parkinson um eine langsam fortschreitende Krankheit handelt, kann man meiner Erfahrung nach, sobald man die richtige Kombination gefunden hat, in der Regel einige Jahre lang gut damit leben. Das verschafft auch etwas Zeit für neue Medikamente, die hoffentlich noch herauskommen werden. Klar ist, dass Sie das letzte Wort darüber haben, was Sie Ihrem eigenen Körper einflößen. Dennoch sollten Sie es nicht alleine angehen. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, Ihren Arzt immer in die Entscheidung einzubeziehen, für welche Behandlungen Sie auch immer sich entscheiden. Dies schließt alternative Medikamente ein .

Teilen Sie so viele Informationen wie möglich

Wenn Ihr Arzt nicht genau weiß, welche Medikamente Sie einnehmen (einschließlich verschriebener und nicht verschriebener Naturprodukte und verschiedener rezeptfreier Medikamente) oder mit welchen Problemen oder Symptomen Sie täglich zu kämpfen haben, ist es unmöglich, Sie richtig zu behandeln.

Eine genauere Kenntnis Ihrer wöchentlichen Aktivitäten ist von entscheidender Bedeutung. Finden Sie Möglichkeiten, um sowohl Medikamente als auch Symptome zu dokumentieren, indem Sie Tagebücher, Diagramme, tragbare Tracking-Geräte oder einige der neuen On-Off-Tools verwenden, die online verfügbar sind. Das hilft bei Gesprächen mit Ihren Ärzten oder Ihrer Pflegekraft.

Wenn das Gedächtnis ein Problem darstellt, ziehen Sie Optionen wie das Einstellen von Timern oder die Verwendung von Pillendosen in Betracht. Eine andere Möglichkeit ist die Umstellung auf Medikamente, die nur einmal am Tag genommen werden.

  1. Bleiben Sie am Ball

Denken Sie daran, dass die meisten Medikamente erst einen stabilen Zustand in Ihrem Blutkreislauf aufbauen müssen, bevor Sie wissen, ob sie wirken oder nicht. So haben viele Arzneimittel anfängliche Nebenwirkungen wie Übelkeit, die sich typischerweise nach ein oder zwei Wochen bessern. Wir dürfen das Handtuch also nicht zu früh werfen, wenn wir den Medikamenten eine Chance geben wollen.

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass wir, da wir (noch) keine Heilung erreichen können, nur die Symptome behandeln, um ein besseres Leben zu führen. Wenn Sie Medikamente zu schnell absetzen, minimieren Sie Ihre Chancen auf ein Mehr an Lebensqualität.

Umgekehrt gilt: Wenn es Ihnen gut geht, ist das kein Grund, die Medikamente abzusetzen. Es bedeutet lediglich, dass die Medikamente das tun, was sie tun sollen.

Zwei Schlüssel zur Maximierung Ihres Wohlbefindens

Um das Beste aus Ihren Medikamenten herauszuholen, muss man ein wenig kreativ sein.

Nachdem ich mich mehr als drei Jahrzehnte lang um Parkinson- Patienten gekümmert und ein Drittel der Zeit selbst mit der Krankheit gelebt hatte, entdeckte ich zwei Dinge, die für die Maximierung des allgemeinen Wohlbefindens bei chronischen Krankheiten von entscheidender Bedeutung sind:

  • Schlaf, Schlaf und noch mehr Schlaf.
    Dies bedeutet, dass Sie sich nicht nur genügend Zeit zum Schlafen nehmen sollten, sondern auch ggfls. Medikamente einnehmen müssen, die Ihnen dabei helfen, tief zu schlafen. Selbst wenn Sie nur 5 Stunden tief schlafen, damit Ihr Gehirn das Haus putzen kann, ist das besser als gar nichts.
  • Die Kontinuität der Medikamenteneinnahme.
    Dies bedeutet auch, dass Sie frühzeitig mit der Behandlung beginnen sollten und zwar sobald Sie die Diagnose erhalten oder den Verdacht auf Parkinson haben (bevor die Krankheit bereits fortgeschritten ist). Es ist einfacher, verlorenes Öl aus einem Auto zu ersetzen, als einen ganzen Motor austauschen zu müssen, nur weil der Ölmangel den Motor bereits zerlegt hat.

Wenn Sie sich entschlossen haben, Ihr Schicksal zu meistern, womöglich ein geschäftiges Leben führen und keine Zeit haben, sich an alle Pillen zu erinnern, die Sie einnehmen müssen, dann suchen Sie Hilfe bei Ihren Lieben oder verwenden Sie Medikamenten-Apps, sei es um Symptome zu verfolgen oder daran erinnert zu werden, wann die nächsten Medikamente fällig sind.

Bleib auf dem Laufenden.


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