Elektroakupunktur gegen Parkinson-Schmerzen: Was die neue Studie zeigt – und was nicht
Schmerzen in Schultern, Rücken, Nacken und Beinen gehören zu den häufigsten Beschwerden bei der Parkinson-Krankheit – und zu den am wenigsten beachteten. Eine neue Studie aus China meldet: Fünf Tage Elektroakupunktur am Kopf lindern diese Schmerzen besser als eine Scheinbehandlung. Wir haben genau hingesehen, was die Studie belegt, wo sie übertreibt und was Sie daraus für sich mitnehmen können.
Wer Parkinson hat, kennt das: Die Schulter schmerzt seit Monaten, der Rücken zieht, die Waden verkrampfen. In der Sprechstunde geht es um Zittern, Beweglichkeit und den Medikamentenplan – der Schmerz kommt zu kurz. Viele Betroffene suchen deshalb selbst nach Hilfe außerhalb der klassischen Medizin. Akupunktur steht dabei ganz oben auf der Liste. Eine aktuelle Studie scheint ihnen recht zu geben.
Die Arbeit stammt aus der Neurologie des Ersten Universitätsklinikums der Anhui-Universität für Chinesische Medizin in Hefei und ist im September 2026 in der chinesischen Fachzeitschrift Zhongguo Zhen Jiu („Chinesische Akupunktur und Moxibustion“) erschienen. Der Volltext liegt nur auf Chinesisch vor, eine englische Zusammenfassung ist in der Datenbank PubMed abrufbar. Die Schlussfolgerung der Autoren klingt vielversprechend: Elektroakupunktur lindere Schmerzen, verbessere die Beweglichkeit, die Stimmung und die Lebensqualität – bei guter Verträglichkeit. Ein zweiter Blick zeigt: Nur ein Teil davon ist durch die Daten gedeckt.
Was die Studie untersucht hat
Teilgenommen haben 58 Menschen mit Parkinson-Krankheit, die zusätzlich unter Schmerzen des Bewegungsapparats litten – also Schmerzen in Muskeln, Gelenken, Sehnen und Knochen. Per Los wurden sie in zwei gleich große Gruppen mit je 29 Personen aufgeteilt. In jeder Gruppe schied eine Person vorzeitig aus, ausgewertet wurden also 56.
- Echte Elektroakupunktur: Feine Nadeln wurden in die Kopfhaut über dem sogenannten motorischen Areal gesetzt, und zwar auf der Seite, die dem Schmerz gegenüberliegt. Bei Schmerzen auf beiden Seiten wurde links genadelt. An die Nadeln wurde ein schwacher, wechselnder Strom angelegt (2 und 20 Hertz, 1 bis 2 Milliampere). Die Nadeln blieben 30 Minuten liegen.
- Scheinbehandlung: Die Nadeln wurden 5 bis 20 Millimeter hinter dem motorischen Areal gesetzt, an einer Stelle, die in der Akupunkturlehre keine Bedeutung hat. Das Stromgerät wurde genauso angeschlossen, aber es floss kein Strom. Auch hier: 30 Minuten.
- Dauer: Beide Gruppen wurden an fünf aufeinanderfolgenden Tagen je einmal behandelt.
- Messungen: vor der Behandlung, direkt danach sowie zwei und vier Wochen später.
Das wichtigste Messinstrument war die visuelle Analogskala (VAS): Die Teilnehmenden markieren auf einer Linie von „kein Schmerz“ bis „stärkster vorstellbarer Schmerz“, wie stark es wehtut. Zusätzlich wurden die Beweglichkeit (mit dem ärztlichen Untersuchungsteil der UPDRS-Skala, Teil III), Depression und Angst (mit den Hamilton-Skalen) sowie die Lebensqualität (mit dem Parkinson-Fragebogen PDQ-39) erfasst.
Was ist das „motorische Areal“?
Die Studie nutzt eine Form der Schädelakupunktur, die in China in den 1970er-Jahren entwickelt wurde. Anders als bei der klassischen Akupunktur orientieren sich die Einstichstellen nicht an Meridianen, sondern grob an der Lage von Hirnregionen unter der Schädeldecke. Das „motorische Areal“ entspricht ungefähr der Region, in der das Gehirn Bewegungen steuert. Interessant: Auch die westliche Schmerzforschung stimuliert genau diese Region – etwa mit Magnetimpulsen von außen (repetitive transkranielle Magnetstimulation, rTMS). Ob eine Nadel mit schwachem Strom in der Kopfhaut die darunterliegende Hirnrinde überhaupt nennenswert erreicht, ist allerdings nicht belegt.
Was herauskam – und was nicht
Die Ergebnisse lassen sich in drei Punkten zusammenfassen:
1. Beide Gruppen hatten weniger Schmerzen
Nach der Behandlung und auch zwei und vier Wochen später gaben beide Gruppen weniger Schmerzen an als vorher – auch die Gruppe mit der Scheinbehandlung. Das ist ein häufiger Befund in Akupunkturstudien und zeigt, wie stark Zuwendung, Erwartung und das Ritual einer Behandlung allein wirken können.
2. Die echte Elektroakupunktur war beim Schmerz etwas besser
Zu allen drei Zeitpunkten lag der Schmerzwert in der Elektroakupunktur-Gruppe niedriger als in der Schein-Gruppe. Der Unterschied war statistisch signifikant – allerdings nur knapp (die Autoren geben „p kleiner als 0,05“ an). Wie groß der Unterschied auf der Schmerzskala war, verrät die Zusammenfassung nicht. Ob er für Betroffene im Alltag spürbar ist, lässt sich daher nicht beurteilen. In der Schmerzforschung gilt meist erst eine Verbesserung um etwa 1 bis 2 Punkte auf einer 10-Punkte-Skala als klinisch bedeutsam.
3. Bei Beweglichkeit, Stimmung und Lebensqualität gab es keinen Unterschied
Hier wird es wichtig. In der Elektroakupunktur-Gruppe verbesserten sich Beweglichkeit, Depression, Angst und Lebensqualität im Vergleich zum Ausgangswert. In der Schein-Gruppe nicht. Aber: Beim direkten Vergleich der beiden Gruppen – und nur der zählt – fand sich zu keinem Zeitpunkt ein statistisch bedeutsamer Unterschied. Das steht so in der Zusammenfassung der Studie selbst. Die Schlussfolgerung der Autoren, Elektroakupunktur verbessere auch Beweglichkeit, Stimmung und Lebensqualität, ist durch ihre eigenen Daten nicht gedeckt.
Zur Einordnung: „besser als vorher“ ist nicht „besser als die Kontrolle“
Ein Vorher-nachher-Vergleich innerhalb einer Gruppe sagt wenig darüber aus, ob eine Behandlung wirkt. Menschen fühlen sich nach Zuwendung besser, Beschwerden schwanken von selbst, und wer mit besonders starken Schmerzen in eine Studie kommt, hat beim nächsten Termin oft etwas weniger – rein statistisch. Genau deshalb gibt es Kontrollgruppen. Aussagekräftig ist nur der Vergleich zwischen den Gruppen. Wenn die eine Gruppe „signifikant besser als vorher“ ist und die andere knapp nicht, heißt das noch lange nicht, dass sich die Gruppen voneinander unterscheiden.
Wie belastbar ist die Studie?
Positiv ist: Die Studie war randomisiert, das heißt, der Zufall entschied über die Gruppe. Sie hatte eine Scheinbehandlung als Vergleich, und sie hat die Teilnehmenden vier Wochen über das Behandlungsende hinaus beobachtet. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf. Das ist mehr, als viele Akupunkturstudien bieten.
Die Grenzen sind aber erheblich:
- Sehr klein: 56 ausgewertete Personen reichen, um einen großen Effekt zu entdecken – für verlässliche Aussagen über Beweglichkeit, Stimmung oder Lebensqualität sind es zu wenige.
- Sehr kurz: Fünf Behandlungen an fünf Tagen und vier Wochen Nachbeobachtung sagen nichts darüber, wie es nach drei oder sechs Monaten aussieht. Schmerzen bei Parkinson sind aber meist ein Dauerproblem.
- Verblindung fraglich: In der Echt-Gruppe floss Strom, in der Schein-Gruppe nicht. Schon ein bis zwei Milliampere sind als Kribbeln oder Klopfen spürbar. Viele Teilnehmende dürften also gemerkt haben, in welcher Gruppe sie waren. Ob die Verblindung überprüft wurde, geht aus der Zusammenfassung nicht hervor. Wer weiß, dass er „richtig“ behandelt wird, bewertet seinen Schmerz oft günstiger.
- Subjektives Maß: Schmerz lässt sich nur durch Selbstauskunft messen. Das ist unvermeidbar, macht das Ergebnis aber anfällig für Erwartungseffekte.
- Keine Effektgrößen: Ohne Angabe, um wie viele Punkte sich der Schmerz unterschied, bleibt „signifikant“ ein leeres Wort.
- Unklare Schmerzarten: Die Studie fasst alle Schmerzen des Bewegungsapparats zusammen. Ob es sich um Schmerzen durch Steifigkeit, durch Fehlhaltung, durch Arthrose oder um Wirkungsschwankungen der Medikamente handelte, bleibt offen.
- Ein Zentrum, nur Chinesisch: Die Studie wurde an einem einzigen Krankenhaus durchgeführt, der Volltext ist für die internationale Fachwelt kaum überprüfbar.
Ein bekanntes Problem
Schon 1998 zeigte eine vielzitierte Untersuchung britischer Forscher um Andrew Vickers: Von den damals ausgewerteten Akupunkturstudien aus China, Japan, Hongkong und Taiwan war jede einzelne positiv. Bei Studien aus England lag der Anteil deutlich niedriger. Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass negative Ergebnisse seltener veröffentlicht werden. Das heißt nicht, dass chinesische Studien falsch sind – aber einzelne kleine, positive Studien sollte man mit Vorsicht lesen, solange sie nicht anderswo bestätigt werden.
Schmerzen bei Parkinson: häufig und vielgestaltig
Dass Schmerz überhaupt zum Parkinson-Thema gemacht wird, ist ein Verdienst der letzten Jahre. Eine große Übersichtsarbeit im Fachjournal Lancet Neurology kam 2025 zu dem Schluss, dass mehr als zwei Drittel der Menschen mit Parkinson-Krankheit mit chronischen Schmerzen leben. In einer internationalen Untersuchung mit der speziell für Parkinson entwickelten Schmerzskala (King’s Parkinson’s Disease Pain Scale, KPPS) gaben fast alle Befragten mindestens eine Schmerzform an. Am häufigsten, bei rund 85 Prozent, waren Schmerzen des Bewegungsapparats – also genau jene, um die es in der neuen Studie geht.
Parkinson-Schmerzen haben viele Gesichter:
- Muskel- und Gelenkschmerzen durch Steifigkeit (Rigor), Bewegungsarmut und veränderte Haltung – typisch ist die schmerzhafte „Frozen Shoulder“, die oft Jahre vor der Diagnose auftritt.
- Schmerzhafte Verkrampfungen (Dystonien), etwa die eingekrallten Zehen am frühen Morgen, wenn die Medikamente nachlassen.
- Schmerzen bei Wirkungsschwankungen, die im OFF zunehmen und mit der nächsten Tablette nachlassen.
- Nervenschmerzen, etwa durch eingeklemmte Nervenwurzeln an der Wirbelsäule oder durch eine Schädigung der Nerven in Füßen und Beinen.
- Zentrale Schmerzen – schwer beschreibbares Brennen, Ziehen oder inneres Unbehagen, das von der Parkinson-Krankheit selbst im Gehirn ausgelöst wird.
Dazu kommen Schmerzen, die mit Parkinson nichts zu tun haben, etwa durch Arthrose. Seit 2021 gibt es ein internationales Einteilungssystem (Parkinson’s Disease Pain Classification System, PD-PCS), das zuerst klärt, ob der Schmerz mit der Parkinson-Krankheit zusammenhängt, und dann nach dem Entstehungsmechanismus fragt. Das hat praktische Folgen: Ein Schmerz, der im OFF auftritt, wird anders behandelt als eine Arthrose im Knie.
Der erste Schritt
Die Fachleute sind sich einig: Bevor andere Schmerzbehandlungen begonnen werden, sollte geprüft werden, ob die Parkinson-Medikamente optimal eingestellt sind. Viele Schmerzen bei Parkinson sind im Kern Parkinson-Symptome und bessern sich, wenn Steifigkeit, Dystonien und OFF-Phasen besser behandelt werden. Ein Schmerztagebuch, in dem Sie neben dem Schmerz auch die Tabletteneinnahme notieren, hilft Ihrer Neurologin oder Ihrem Neurologen dabei sehr.
Was die übrige Forschung zur Akupunktur sagt
Bei chronischen Schmerzen allgemein
Die solideste Datenbasis liefert eine große Auswertung der internationalen Acupuncture Trialists’ Collaboration aus dem Jahr 2018, an der auch Münchner Forschende beteiligt waren. Sie hat die Rohdaten von fast 21.000 Patientinnen und Patienten aus 39 hochwertigen Studien zusammengeführt – zu Rücken- und Nackenschmerzen, Arthrose, Kopfschmerzen und Schulterschmerzen. Das Ergebnis: Akupunktur war besser als keine Akupunktur und auch besser als Scheinakupunktur. Der Vorsprung gegenüber der Scheinbehandlung war aber klein. Ein großer Teil der Wirkung entsteht also durch das, was jede Behandlung mitbringt: Zuwendung, Ruhe, Erwartung. Positiv: Die Wirkung hielt überwiegend auch nach einem Jahr noch an.
Ähnlich war es bereits in den großen deutschen GERAC-Studien der frühen 2000er-Jahre. Bei chronischen Rückenschmerzen sprachen rund 48 Prozent auf echte Akupunktur an, rund 44 Prozent auf Scheinakupunktur – und nur 27 Prozent auf die übliche Standardbehandlung. Beide Nadelvarianten schnitten also deutlich besser ab als die Routineversorgung, unterschieden sich aber kaum voneinander.
Bei Parkinson
Speziell zu Schmerzen bei Parkinson gibt es bislang nur sehr wenige Studien: eine kleine taiwanische Untersuchung mit neun behandelten Personen ohne Scheinbehandlung und nun die neue Studie aus Hefei. Eine größere, doppelt verblindete Studie mit 66 Teilnehmenden hat 2026 in Guangzhou begonnen und soll 2027 abgeschlossen sein.
Zu anderen Parkinson-Beschwerden ist die Lage aufschlussreich:
- Erschöpfung (Fatigue): Zwei sorgfältig gemachte Studien aus den USA (94 Teilnehmende) und Singapur (40 Teilnehmende) fanden, dass sich die Erschöpfung unter echter und unter Scheinakupunktur gleich stark besserte. Die Autoren folgerten, dass die Wirkung überwiegend unspezifisch ist.
- Schlaf und Angst: Zwei Studien aus Guangzhou, veröffentlicht in der angesehenen Zeitschrift JAMA Network Open, fanden Vorteile echter Akupunktur gegenüber Scheinakupunktur bei Schlafqualität (2024) und Angst (2022). Bei der Angst zeigte sich der Unterschied allerdings erst acht Wochen nach Behandlungsende, nicht direkt danach.
- Zusammenfassende Analysen: Mehrere neuere Meta-Analysen mit Dutzenden Studien melden Vorteile der Akupunktur für viele Parkinson-Symptome. Sie beruhen aber ganz überwiegend auf kleinen chinesischen Studien, und die Autoren selbst stufen die Aussagekraft meist als niedrig bis mäßig ein.
Das Gesamtbild: Akupunktur ist bei Parkinson kein Wundermittel, aber auch kein reiner Unsinn. Sie kann manchen Menschen Linderung verschaffen – ein großer Teil davon geht jedoch vermutlich auf unspezifische Effekte zurück. Für die spezifische Frage, ob Elektroakupunktur Parkinson-Schmerzen gezielt lindert, reicht die Datenlage noch nicht.
Behandlungsmöglichkeiten im Vergleich
Die folgende Übersicht ordnet die Elektroakupunktur zwischen anderen Ansätzen gegen Schmerzen des Bewegungsapparats bei Parkinson ein. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung.
| Ansatz | Wofür vor allem | Datenlage bei Parkinson | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Optimierung der Parkinson-Medikamente | Schmerzen bei Steifigkeit, Dystonie, OFF-Phasen | Von Fachleuten als erster Schritt empfohlen | Nur in Absprache mit der Neurologin oder dem Neurologen; Schmerztagebuch hilfreich |
| Physiotherapie und regelmäßige Bewegung | Muskel- und Gelenkschmerzen, Haltung, Steifigkeit | Gut belegt für Beweglichkeit; für Schmerz plausibel, aber wenig gezielt untersucht | Auf Rezept; Wirkung hält nur bei dauerhaftem Üben |
| Übliche Schmerzmittel | Arthrose, Rücken, akute Beschwerden | Kaum parkinson-spezifische Studien | Nebenwirkungen im Alter beachten (Magen, Niere, Sturzgefahr, Verstopfung) |
| Akupunktur (klassisch) | Chronische Rücken-, Nacken-, Knie- und Schulterschmerzen | Wenige kleine Studien; allgemein kleiner Vorsprung vor Scheinakupunktur | Kassenleistung nur bei Lendenwirbelsäule und Knie-Arthrose |
| Elektroakupunktur am Kopf (wie in der neuen Studie) | Muskel- und Gelenkschmerzen bei Parkinson | Eine kleine, kurze Studie; nur Schmerz besser als Scheinbehandlung | Selbstzahlerleistung; mit Hirnschrittmacher vorher mit dem Zentrum klären |
| Tiefe Hirnstimulation | Schmerzen, die an Wirkungsschwankungen gekoppelt sind | Besserung von Parkinson-Schmerzen in Studien beschrieben | Nur für ausgewählte Betroffene; die Indikation richtet sich nach den motorischen Beschwerden |
Akupunktur in Deutschland: Kosten, Qualität, Sicherheit
Wer bezahlt?
Seit 2007 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen Akupunktur nur bei zwei Diagnosen: bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule und bei chronischen Knieschmerzen durch Arthrose. Die Beschwerden müssen seit mindestens sechs Monaten bestehen. Bezahlt werden bis zu zehn Sitzungen innerhalb von sechs Wochen, in begründeten Fällen bis zu 15 im Jahr. Für alle anderen Beschwerden – auch für Schulter- oder Nackenschmerzen bei Parkinson – ist Akupunktur eine Selbstzahlerleistung. Private Krankenversicherungen und Beihilfe erstatten je nach Tarif. Fragen Sie vor Beginn nach den Kosten pro Sitzung und der geplanten Zahl der Sitzungen.
Wer darf behandeln?
Achten Sie auf eine ärztliche Zusatzbezeichnung „Akupunktur“. Die Akupunktur auf Kassenrezept dürfen nur Ärztinnen und Ärzte mit dieser Qualifikation abrechnen. Eine Elektroakupunktur am Kopf wie in der Studie wird in Deutschland nur selten angeboten.
Wie sicher ist Akupunktur?
Von qualifizierten Behandelnden durchgeführt, gilt Akupunktur als sehr sicher. Häufig sind kleine Blutergüsse, kurzes Nachbluten oder vorübergehende Müdigkeit. Schwere Komplikationen sind selten. Bei Parkinson gibt es aber einige Punkte, die Sie ansprechen sollten.
Wichtig – vor Beginn klären
Tiefe Hirnstimulation: Bei einem Hirnschrittmacher verlaufen Elektroden und Verbindungskabel unter der Kopfhaut und am Hals. Elektroakupunktur – also Strom über Nadeln – und Nadeln im Bereich der Kabel sollten Sie nur nach Rücksprache mit Ihrem Stimulationszentrum zulassen. Gleiches gilt bei Herzschrittmachern und anderen Implantaten.
Blutverdünner: Wer Gerinnungshemmer einnimmt, sollte das vor der Behandlung sagen.
Kreislauf: Viele Menschen mit Parkinson haben einen niedrigen Blutdruck im Stehen. Stehen Sie nach der Sitzung langsam auf.
Medikamente: Akupunktur ersetzt keine Parkinson-Therapie. Setzen Sie keine Medikamente ab, weil Sie eine Akupunktur beginnen.
Fragen für Ihre nächste Sprechstunde
Wenn Schmerzen Ihren Alltag bestimmen, sprechen Sie das aktiv an. Führen Sie vorher eine Woche lang ein kurzes Tagebuch: Wo tut es weh, wie stark (0 bis 10), zu welcher Tageszeit – und wann haben Sie Ihre Tabletten genommen?
- Hängen meine Schmerzen mit der Parkinson-Krankheit zusammen – oder haben sie eine andere Ursache, etwa Arthrose oder die Wirbelsäule?
- Treten meine Schmerzen vor allem im OFF auf? Könnte eine Anpassung meiner Parkinson-Medikamente helfen?
- Kann es sich um eine Dystonie handeln, etwa bei morgendlichen Krämpfen in Fuß oder Zehen?
- Würde mir eine gezielte Physiotherapie helfen, und können Sie sie mir verordnen?
- Welche Schmerzmittel sind für mich geeignet, wenn ich die Nebenwirkungen und meine anderen Medikamente berücksichtige?
- Spricht aus Ihrer Sicht etwas dagegen, dass ich Akupunktur ausprobiere – und worauf muss ich bei meinem Hirnschrittmacher, meinen Blutverdünnern oder meinem Blutdruck achten?
- Wäre eine Vorstellung in einer Schmerzambulanz oder einer Parkinson-Fachklinik sinnvoll?
Fazit
Die neue Studie aus China liefert einen Hinweis, keinen Beweis. Fünf Sitzungen Elektroakupunktur am Kopf haben Schmerzen des Bewegungsapparats bei Parkinson etwas stärker gelindert als eine Scheinbehandlung – wie viel stärker, bleibt offen. Die weitergehenden Versprechen für Beweglichkeit, Stimmung und Lebensqualität halten der eigenen Auswertung der Studie nicht stand: Dort unterschieden sich die Gruppen nicht. Die Studie ist klein, kurz und womöglich nicht wirksam verblindet.
Für Ihren Alltag heißt das: Schmerzen bei Parkinson sind häufig, ernst zu nehmen und behandelbar. Der erste Schritt ist ein Gespräch mit Ihrer Neurologin oder Ihrem Neurologen über die Einstellung Ihrer Parkinson-Medikamente, der zweite eine gezielte Physiotherapie und regelmäßige Bewegung. Wer darüber hinaus Akupunktur ausprobieren möchte, kann das bei einer qualifizierten Ärztin oder einem qualifizierten Arzt tun – mit realistischen Erwartungen, im Wissen um die Kosten und nach Absprache, wenn ein Hirnschrittmacher im Spiel ist. Ob gerade die Elektroakupunktur am Kopf einen besonderen Vorteil bringt, werden erst größere und längere Studien zeigen. Die erste davon läuft bereits.
Quellen
- Zhu S, Xia A, Zhu B, Wang A, Gu H, Mei S, Chen H, Li J. Klinische Wirksamkeit und Sicherheit der Elektroakupunktur im motorischen Areal bei Parkinson-Krankheit mit muskuloskelettalen Schmerzen: eine randomisierte kontrollierte Studie [Chinesisch]. Zhongguo Zhen Jiu 2026;46(9):1415–1420. doi: 10.13703/j.0255-2930.20250604-k0002. PubMed 42744626 · Originalartikel (Deutsch)
- Brennpunkt Parkinson: Wirksamkeit von Elektroakupunktur bei Parkinson-Patienten mit Schmerzen. Zum Eintrag im Archiv
- Tinazzi M, Gandolfi M, Artusi CA et al. Advances in diagnosis, classification, and management of pain in Parkinson’s disease. Lancet Neurology 2025;24(4):331–347. PubMed 40120617
- Mylius V, Möller JC, Bohlhalter S, Ciampi de Andrade D, Perez Lloret S. Diagnosis and Management of Pain in Parkinson’s Disease: A New Approach. Drugs & Aging 2021;38(7):559–577. PubMed 34224103
- Mylius V, Perez Lloret S, Cury RG et al. The Parkinson disease pain classification system: results from an international mechanism-based classification approach. Pain 2021;162(4):1201–1210. PubMed 33044395
- Martinez-Martin P, Rizos AM, Wetmore JB et al. Distribution and impact on quality of life of the pain modalities assessed by the King’s Parkinson’s disease pain scale. npj Parkinson’s Disease 2017;3:8. nature.com
- Vickers AJ, Vertosick EA, Lewith G et al.; Acupuncture Trialists’ Collaboration. Acupuncture for Chronic Pain: Update of an Individual Patient Data Meta-Analysis. Journal of Pain 2018;19(5):455–474. PubMed 29198932
- Haake M, Müller HH, Schade-Brittinger C et al. German Acupuncture Trials (GERAC) for chronic low back pain. Archives of Internal Medicine 2007;167(17):1892–1898. PubMed 17893311
- Vickers A, Goyal N, Harland R, Rees R. Do certain countries produce only positive results? A systematic review of controlled trials. Controlled Clinical Trials 1998;19(2):159–166. PubMed 9551280
- Kluger BM, Rakowski D, Christian M et al. Randomized, Controlled Trial of Acupuncture for Fatigue in Parkinson’s Disease. Movement Disorders 2016;31(7):1027–1032. PubMed 27028133
- Kong KH, Ng HL, Li W et al. Acupuncture in the treatment of fatigue in Parkinson’s disease: A pilot, randomized, controlled study. Brain and Behavior 2018;8(1):e00897. PubMed 29568693
- Yan M, Fan J, Liu X et al. Acupuncture and Sleep Quality Among Patients With Parkinson Disease: A Randomized Clinical Trial. JAMA Network Open 2024;7(6):e2417862. PubMed 38922617
- Fan JQ, Lu WJ, Tan WQ et al. Effectiveness of Acupuncture for Anxiety Among Patients With Parkinson Disease: A Randomized Clinical Trial. JAMA Network Open 2022;5(9):e2232133. PubMed 36129711
- Yu SW, Lin SH, Tsai CC et al. Acupuncture Effect and Mechanism for Treating Pain in Patients With Parkinson’s Disease. Frontiers in Neurology 2019;10:1114. PubMed 31695670
- Wu Y, Zhang F, Xiao L et al. Efficacy of Acupuncture for Pain in Parkinson’s Disease: Study Protocol for a Randomized Controlled Trial. Journal of Pain Research 2026;19:622950. PubMed 42404684
- Mao X, Huang W, Zhang S et al. Comparative efficacy of acupuncture-related therapies for Parkinson’s disease: A systematic review and network meta-analysis. Behavioural Brain Research 2026;496:115848. PubMed 41015123
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie. S2k-Leitlinie Parkinson-Krankheit, 2023. AWMF-Register 030-010
