Unruhige Beine, unruhige Nächte: Das übersehene Restless-Legs-Syndrom bei Parkinson

Fast jeder vierte Mensch mit Parkinson-Krankheit hat zusätzlich ein Restless-Legs-Syndrom – und bei den allermeisten weiß das niemand. Eine neue Studie aus Bangkok zeigt: Im Schnitt vergehen fast sechs Jahre bis zur Diagnose. Was steckt dahinter, warum ist die Unterscheidung so schwierig, und was können Sie selbst tun?

Es beginnt am Abend, wenn endlich Ruhe einkehrt. Ein Kribbeln, Ziehen oder schwer beschreibbares Unbehagen tief in den Waden. Der Drang, aufzustehen und herumzugehen, wird übermächtig – und sobald man läuft, ist es besser. Kaum liegt man wieder, geht es von vorne los. Viele Menschen mit Parkinson kennen solche Nächte. Die meisten halten das für einen weiteren Teil „ihrer“ Parkinson-Krankheit. Oft ist es aber etwas Eigenes: ein Restless-Legs-Syndrom, kurz RLS – und das lässt sich gezielt behandeln.

Dass RLS und Parkinson häufig gemeinsam auftreten, ist in der Fachwelt seit Jahren bekannt. Neu ist, wie deutlich eine aktuelle Untersuchung die Versorgungslücke beziffert. Ein Team des Siriraj-Krankenhauses der Mahidol-Universität in Bangkok hat im Fachjournal Sleep Medicine Daten von 250 Parkinson-Patientinnen und -Patienten veröffentlicht, die nacheinander in eine spezialisierte Ambulanz kamen. Das Ergebnis ist unbequem – gerade weil es aus einem Zentrum stammt, das Parkinson gut kennt.

Was die Studie aus Bangkok gefunden hat

Die Forschenden haben alle Teilnehmenden systematisch nach den internationalen Diagnosekriterien der International Restless Legs Syndrome Study Group (IRLSSG) befragt und jeden Verdacht durch ein Gespräch mit einer Schlafspezialistin oder einem Schlafspezialisten bestätigen lassen. Außerdem füllten alle zwei Schlaffragebögen aus: die Parkinson’s Disease Sleep Scale (PDSS-2) und den Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI).

  • 23,2 Prozent der 250 Teilnehmenden erfüllten die Kriterien für ein RLS – also fast jede und jeder Vierte.
  • 95,8 Prozent dieser Fälle waren vorher nicht diagnostiziert worden. Nur zwei bis drei der knapp 60 Betroffenen wussten von ihrem RLS.
  • Die Beschwerden bestanden im Mittel bereits 5,83 Jahre, bevor die Studie sie aufdeckte.
  • Wer ein RLS hatte, schlief deutlich schlechter: Jeder zusätzliche Punkt im PDSS-2 erhöhte die Wahrscheinlichkeit für ein RLS um rund 8 Prozent.
  • Menschen mit RLS nahmen mehr dopaminerge Medikamente: Pro 100 Milligramm höherer Levodopa-Äquivalenzdosis stieg die Wahrscheinlichkeit um rund 10 Prozent.
  • Betroffene hatten zudem stärkere motorische Beschwerden, und 3,4 Prozent berichteten über eine sogenannte Augmentation (dazu unten mehr).

Die Autorinnen und Autoren ziehen ein klares Fazit: RLS ist bei Parkinson häufig, wird aber in der Routineversorgung übersehen – selbst in einer Spezialambulanz. Sie fordern, bei jedem Parkinson-Termin gezielt danach zu fragen.

Zur Einordnung

Die Zahl von 23 Prozent liegt etwas über dem, was Übersichtsarbeiten bisher ergaben. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2018 kam über viele Studien hinweg auf eine durchschnittliche Häufigkeit von etwa 14 Prozent – mit großen Unterschieden zwischen einzelnen Untersuchungen. Zum Vergleich: In der Allgemeinbevölkerung haben je nach Studie 5 bis 10 Prozent RLS-Beschwerden, behandlungsbedürftig sind etwa 1 bis 2 Prozent. Bei Parkinson ist RLS also mindestens deutlich häufiger als bei Gleichaltrigen ohne Parkinson.

Was genau ist ein Restless-Legs-Syndrom?

Das Restless-Legs-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung, die mit der Parkinson-Krankheit einiges gemeinsam hat: Bei beiden spielt der Botenstoff Dopamin eine Rolle, und beide sprechen auf dopaminerge Medikamente an. Trotzdem sind es verschiedene Erkrankungen. Beim RLS gehen keine Nervenzellen in der Substantia nigra zugrunde, und ein RLS führt nicht zu Parkinson. Beim RLS spielt außerdem der Eisenhaushalt im Gehirn eine wichtige Rolle – auch dann, wenn die Eisenwerte im Blut normal aussehen.

Die Diagnose wird im Gespräch gestellt, nicht mit einem Gerät. Fünf Merkmale müssen zusammenkommen:

  1. Bewegungsdrang der Beine, meist verbunden mit unangenehmen Gefühlen wie Kribbeln, Ziehen, Brennen oder „Ameisenlaufen“.
  2. Die Beschwerden beginnen oder verstärken sich in Ruhe – im Sitzen oder Liegen.
  3. Bewegung bessert sie, zumindest solange man sich bewegt.
  4. Sie treten abends und nachts deutlich stärker auf als tagsüber.
  5. Sie sind nicht besser durch etwas anderes erklärt – etwa Wadenkrämpfe, Lagerungsbeschwerden, Gelenkschmerzen oder Medikamentennebenwirkungen.

Gerade Punkt 5 macht die Sache bei Parkinson so schwierig. Denn die Parkinson-Krankheit selbst und ihre Therapie erzeugen eine ganze Reihe von Beschwerden, die sich ähnlich anfühlen können.

Warum RLS bei Parkinson so leicht übersehen wird

Die Studie aus Bangkok nennt die Versorgungslücke, erklärt sie aber nur teilweise. Aus der Praxis lassen sich mehrere Gründe zusammentragen:

1. Die Beschwerden werden „der Parkinson-Krankheit“ zugeschrieben

Wer Parkinson hat, erlebt viele Symptome in den Beinen: Steifigkeit, Krämpfe, Dystonien, nächtliche Unbeweglichkeit. Unruhe am Abend fällt da kaum noch auf – weder den Betroffenen noch den Ärztinnen und Ärzten.

2. Die Parkinson-Medikamente überdecken das RLS

Levodopa und Dopaminagonisten wirken auch gegen RLS. Wer tagsüber gut eingestellt ist, merkt ein RLS vielleicht erst dann, wenn die Wirkung nachlässt – typischerweise am späten Abend oder in der Nacht. Dann wirkt es wie ein Wearing-off, also ein Nachlassen der Medikamentenwirkung.

3. Es gibt viele Doppelgänger

Nicht jede nächtliche Unruhe ist RLS. Wer bei Parkinson unruhige Beine hat, kann auch unter einer inneren Unruhe durch Medikamente (Akathisie), unter Überbewegungen (Dyskinesien), unter einer morgendlichen Fußdystonie oder unter einer Nervenschädigung (Polyneuropathie) leiden. Die Tabelle unten hilft bei der Unterscheidung.

4. In der Sprechstunde fehlt die Zeit

Ein Parkinson-Termin dreht sich meist um Beweglichkeit, Zittern und Medikamentenpläne. Nach dem Schlaf wird oft nur pauschal gefragt. Viele Betroffene erwähnen die abendliche Unruhe gar nicht, weil sie sie für unvermeidlich halten.

Wichtig

Ändern Sie Ihre Parkinson-Medikamente nicht auf eigene Faust, weil Sie ein RLS vermuten. Gerade das Weglassen oder Verschieben von Levodopa oder Dopaminagonisten kann Beweglichkeit, Stimmung und Schlaf massiv beeinträchtigen. Sprechen Sie Ihren Verdacht bei Ihrer Neurologin oder Ihrem Neurologen an.

RLS oder etwas anderes? Die wichtigsten Unterschiede

Die folgende Übersicht ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Sie kann Ihnen aber helfen, Ihre Beobachtungen genauer zu beschreiben – und genau das ist der Schlüssel zur richtigen Diagnose.

Beschwerde Typisches Gefühl Wann? Hilft Bewegen?
Restless-Legs-Syndrom Drang, die Beine zu bewegen; Kribbeln, Ziehen, Unbehagen tief im Bein Abends, nachts, in Ruhe Ja, sofort – solange man sich bewegt
Wearing-off Steifigkeit, Langsamkeit, Zittern, teils Unruhe Vor der nächsten Tablette, unabhängig von der Tageszeit Kaum; hilft erst die nächste Dosis
Akathisie Innere Unruhe am ganzen Körper, Unfähigkeit stillzusitzen Oft tagsüber, auch ohne Ruhesituation Nur begrenzt
Dyskinesien Unwillkürliche, fließende Überbewegungen Meist bei guter Medikamentenwirkung („On“) Nein – die Bewegung ist das Symptom
Fußdystonie Schmerzhafte Verkrampfung, Zehen krallen sich Häufig früh am Morgen Nein; hilft meist die erste Dosis
Wadenkrampf Plötzlicher, harter, schmerzhafter Muskelkrampf Nachts, anfallsartig Dehnen hilft, Umhergehen weniger
Polyneuropathie Taubheit, Brennen, Kribbeln in den Füßen Oft dauerhaft, nachts stärker spürbar Nicht zuverlässig

Einen einfachen Test gibt es nicht. Eine Frage bringt Ärztinnen und Ärzte aber meist auf die richtige Spur: „Haben Sie abends im Sitzen oder Liegen einen Drang, die Beine zu bewegen, der besser wird, sobald Sie aufstehen und herumgehen?“ Wer diese Frage mit Ja beantwortet, sollte genauer untersucht werden.

Der Zusammenhang mit den Medikamenten – Henne oder Ei?

Der auffälligste Befund der thailändischen Studie ist der Zusammenhang zwischen RLS und höherer Dosis dopaminerger Medikamente. Hier lohnt ein kritischer Blick, denn die Studie erlaubt zwei gegensätzliche Deutungen.

Deutung 1: Die Medikamente fördern das RLS. Beim RLS gibt es ein bekanntes Phänomen namens Augmentation. Gemeint ist eine Verschlimmerung durch die Behandlung selbst: Die Beschwerden beginnen früher am Tag, werden stärker, breiten sich auf Arme oder Rumpf aus, und die Wirkung jeder Tablette hält kürzer an. Augmentation tritt vor allem bei längerer Einnahme von Dopaminagonisten und Levodopa auf und ist umso wahrscheinlicher, je höher die Dosis ist. Bei Menschen mit Parkinson, die ohnehin dopaminerge Medikamente brauchen, ist das ein ernstes Thema.

Deutung 2: Das RLS führt zu höheren Dosen. Denkbar ist ebenso, dass unerkannte RLS-Beschwerden als nächtliches Wearing-off gedeutet wurden – mit der Folge, dass die Parkinson-Dosis erhöht wurde. Oder dass Menschen mit fortgeschrittener Erkrankung sowohl mehr Medikamente brauchen als auch häufiger ein RLS entwickeln.

Eine Querschnittsstudie wie diese misst alles zu einem einzigen Zeitpunkt. Sie kann deshalb nicht klären, was Ursache und was Folge ist. Beide Deutungen haben aber dieselbe praktische Konsequenz: Wer bei Parkinson abends und nachts unruhige Beine hat, sollte nicht einfach „mehr vom Gleichen“ bekommen, bevor geklärt ist, woran es liegt.

Was ist Augmentation?

Augmentation heißt wörtlich „Verstärkung“. Typische Warnzeichen: Die Beschwerden beginnen mindestens zwei Stunden früher am Tag als früher, werden stärker, treten schon nach kurzer Ruhe auf oder erfassen auch die Arme. Ein zusätzlicher Hinweis ist, wenn eine Dosiserhöhung nur kurz hilft. In der Studie aus Bangkok berichteten 3,4 Prozent der Betroffenen über solche Zeichen.

Behandlung: Was die Leitlinien heute empfehlen

Für die Behandlung des RLS gibt es zwei wichtige Leitlinien – und die sind sich nicht in allen Punkten einig. Das ist für Sie als gut informierte Patientin oder als gut informierter Patient wichtig zu wissen.

Die deutsche S2k-Leitlinie (Deutsche Gesellschaft für Neurologie und Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, 2022) nennt Dopaminagonisten wie Pramipexol, Ropinirol und Rotigotin weiterhin als Mittel der ersten Wahl – allerdings ausdrücklich in möglichst niedriger Dosis, um eine Augmentation zu vermeiden. Levodopa soll beim RLS nicht mehr dauerhaft, sondern nur noch gelegentlich und in niedriger Dosis eingesetzt werden. Als Alternativen gelten Gabapentin und Pregabalin, bei schweren Verläufen niedrig dosierte Opioide.

Die US-Leitlinie der American Academy of Sleep Medicine (2024) geht einen deutlichen Schritt weiter: Sie rät von der Standardbehandlung mit Pramipexol und Ropinirol wegen des Augmentationsrisikos ab. An erster Stelle stehen dort eine Behandlung des Eisenhaushalts – vor allem mit Eisen als Infusion (Eisencarboxymaltose) – sowie die sogenannten Alpha-2-Delta-Liganden Gabapentin und Pregabalin.

Einig sind sich beide Leitlinien in einem Punkt, der für alle Betroffenen wichtig ist: Der Eisenhaushalt sollte überprüft werden. Die deutsche Leitlinie empfiehlt eine Eisenersatztherapie, wenn der Ferritinwert (der Eisenspeicher im Blut) bei 75 Mikrogramm pro Liter oder darunter liegt. Das ist ein deutlich höherer Grenzwert als der, ab dem im Labor üblicherweise „Eisenmangel“ angezeigt wird. Ein Ferritin von 40 gilt also als „normal“, kann für ein RLS aber zu niedrig sein.

Was bedeutet das für Menschen mit Parkinson?

Speziell für RLS bei gleichzeitiger Parkinson-Krankheit gibt es kaum gute Studien. Die Behandlung muss deshalb individuell abgestimmt werden. Einige Grundsätze lassen sich aber aus den Leitlinien ableiten:

  • Eisen prüfen lassen: Ferritin und Transferrinsättigung sind einfache Blutwerte. Ein Mangel ist schnell ausgeglichen – und hat keinen Einfluss auf die Parkinson-Therapie.
  • Verstärker meiden: Alkohol, Koffein am Nachmittag und Abend, bestimmte Antidepressiva und Antihistaminika (etwa in manchen Schlaf- und Allergiemitteln) können RLS verschlimmern. Eine unbehandelte Schlafapnoe ebenfalls.
  • Timing überdenken: Manchmal hilft es, die Parkinson-Medikation am Abend anders zu verteilen oder eine lang wirksame Form zu wählen – etwa ein Pflaster oder eine Retardtablette. Das ist ärztliche Aufgabe, nicht Selbstversuch.
  • Alternativen kennen: Gabapentin oder Pregabalin können RLS lindern, ohne das dopaminerge System weiter zu belasten. Sie machen aber oft müde und können das Gleichgewicht beeinträchtigen – ein Punkt, der bei Parkinson wegen der Sturzgefahr besonders beachtet werden muss.
  • Nicht wirksam sind laut deutscher Leitlinie Magnesium, Cannabinoide und Benzodiazepine – auch wenn sie häufig empfohlen werden.

Was Sie selbst tun können

Bewegung am Tag, ein regelmäßiger Schlafrhythmus, Dehnübungen vor dem Zubettgehen und das Meiden von Alkohol und Koffein am Abend helfen vielen Menschen mit RLS. Manchen tun auch warme oder kühle Fußbäder, Massagen oder eine Beschäftigung, die den Kopf fordert (Kreuzworträtsel, ein Gespräch), gut. Diese Maßnahmen ersetzen keine Behandlung, können sie aber sinnvoll ergänzen.

Wie belastbar ist die neue Studie?

Die Untersuchung aus Bangkok hat klare Stärken: Sie hat alle Patientinnen und Patienten einer Ambulanz nacheinander erfasst, nicht nur solche mit Schlafproblemen. Die Diagnose folgte den anerkannten internationalen Kriterien und wurde von Fachleuten bestätigt. Die Studie war vorab registriert (NCT06684782).

Es gibt aber auch Grenzen, die Sie kennen sollten:

  • Nur ein Zentrum, nur ein Land: Die Ergebnisse stammen aus einem thailändischen Universitätskrankenhaus. Ob die Versorgung in Deutschland besser oder schlechter ist, lässt sich daraus nicht ablesen.
  • Momentaufnahme: Als Querschnittsstudie kann sie keine Ursachen belegen – etwa, ob die höhere Medikamentendosis das RLS fördert oder umgekehrt.
  • Abgrenzung bleibt schwierig: Auch mit Fachgespräch lässt sich ein RLS bei Parkinson nicht immer sicher von anderen Beschwerden unterscheiden. Das könnte die Häufigkeit leicht über- oder unterschätzen.
  • Erinnerung als Messgröße: Die sechs Jahre Diagnoseverzögerung beruhen auf der Erinnerung der Betroffenen, wann die Beschwerden begonnen haben.

Trotz dieser Einschränkungen passt die Kernaussage zu dem, was andere Studien seit Jahren zeigen: RLS ist bei Parkinson häufig und wird zu selten gezielt gesucht.

Fragen für Ihre nächste Sprechstunde

Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkennen, nehmen Sie diese Fragen mit zu Ihrem nächsten Termin. Noch besser: Führen Sie eine Woche lang ein kurzes Tagebuch, wann die Beschwerden auftreten, wie sie sich anfühlen und wann Sie Ihre Medikamente genommen haben.

  1. Könnten meine abendlichen Beschwerden in den Beinen ein Restless-Legs-Syndrom sein – oder eher ein Wearing-off?
  2. Sollten wir meinen Ferritinwert und die Transferrinsättigung bestimmen? Liegt mein Ferritin über 75?
  3. Nehme ich Medikamente, die ein RLS verstärken können – zum Beispiel Antidepressiva, Antihistaminika oder Mittel gegen Übelkeit?
  4. Gibt es Hinweise auf eine Augmentation, weil meine Beschwerden immer früher am Tag anfangen?
  5. Wäre eine andere Verteilung oder eine lang wirksame Form meiner Parkinson-Medikamente am Abend sinnvoll?
  6. Kommen Gabapentin oder Pregabalin für mich infrage – und wie hoch wäre bei mir das Sturzrisiko?
  7. Sollte ich in einem Schlaflabor untersucht werden, etwa um eine Schlafapnoe oder andere Schlafstörungen auszuschließen?

Fazit

Das Restless-Legs-Syndrom ist bei Menschen mit Parkinson-Krankheit weit verbreitet – und wird häufig nicht erkannt. Die Studie aus Bangkok zeigt eindrücklich, dass selbst in einer spezialisierten Ambulanz fast alle Fälle unentdeckt blieben und Betroffene im Mittel fast sechs Jahre mit unerkannten Beschwerden lebten. Wer RLS hat, schläft schlechter und nimmt tendenziell mehr dopaminerge Medikamente.

Die gute Nachricht: Ein RLS lässt sich behandeln. Schon eine Überprüfung der Eisenwerte, das Weglassen verstärkender Medikamente und eine klügere Verteilung der abendlichen Parkinson-Medikation können viel bewirken. Voraussetzung ist, dass jemand die richtige Frage stellt. Wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es nicht tut – stellen Sie sie selbst.

Quellen

  1. Srikajon J, Srivanitchapoom P, Pitakpatapee Y et al. Underrecognized restless legs syndrome in Parkinson’s disease: Diagnostic delay, association with sleep burden, and dopaminergic exposure in a Thai cohort. Sleep Medicine 2026;148:109258. doi: 10.1016/j.sleep.2026.109258. PubMed 42721723
  2. Brennpunkt Parkinson: Restless-Legs-Syndrom bei Parkinson: Häufige Fehldiagnosen und ihre Folgen. Zum Eintrag im Archiv
  3. Deutsche Gesellschaft für Neurologie / Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. S2k-Leitlinie Restless-Legs-Syndrom, 2022. dgn.org
  4. Deutsche Hirnstiftung. Patientenleitlinie Restless-Legs-Syndrom, 1. Auflage 2023. hirnstiftung.org (PDF)
  5. Winkelman JW et al. Treatment of restless legs syndrome and periodic limb movement disorder: an American Academy of Sleep Medicine clinical practice guideline. Journal of Clinical Sleep Medicine 2025. aasm.org
  6. Yang X, Liu B, Shen H et al. Prevalence of restless legs syndrome in Parkinson’s disease: a systematic review and meta-analysis of observational studies. Sleep Medicine 2018;43:40–46. PubMed 29482811