Stammzellentherapie und weitere erstaunliche Erkenntnisse

Ein Beitrag von May Evers aus der Kolumne „Besser Wissen!“, Folge 3

Heute habe ich einen interessanten Artikel im Newsletter von Bayer gelesen. Ja, genau den meine ich, den Pharmariesen Bayer. Jetzt wirst du stutzig, stimmts? In dem Artikel geht es um einen bahnbrechenden, weichenstellenden Fortschritt in der Parkinsontherapie. Wahrscheinlich ein neues Medikament, dass nur an der Oberfläche wirkt, viel Geld kostet und den Menschen einfach das Geld aus der Tasche zieht.

Was mir aber an diesem Artikel auffiel ist eine kleine Randbemerkung, die mindestens genauso bahnbrechend ist, wie die Information, dass sich mithilfe der Zellen- und Gentherapie quasi eine Umprogrammierung der menschlichen Zellen möglich ist und dazu führen könnte, dass Parkinson aus dem Körper verbannt wird. Es werden schon frühe klinische Studien durchgeführt, mit vielversprechendem Ergebnis. Das ist sehr erfreulich! Das heißt aber auch, dass es noch sehr viele weitere Studien und Tests braucht, bis wir Patienten davon profitieren können.

Soweit der kleine Diskurs zum Thema des Artikels. Jetzt brauche ich deine ganze Aufmerksamkeit. Konzentration! Also, schon im ersten Absatz des Artikels steht in einem kleinen Nebensatz, dass Parkinson die weltweit häufigste neurodegenerative Bewegungsstörung ist.

Verstanden?

Parkinson ist die weltweit häufigste neurodegenerative Bewegungsstörtung.  Nicht die zweithäufigste oder ähnlich wie andere. Nein, sie hat den alleinigen Anspruch auf den Titel. Nun werfen uns also die Autor:innen des Artikels diesen Brocken Information ohne Vorwarnung einfach so, – plopp – vor die Füße!

Aber was bedeutet diese Information? Sollen wir uns jetzt gegenseitig auf die Schulter klopfen und zu dem Erfolg gratulieren? Endlich sind wir nicht mehr der undankbare Zweite. Hurra, Parkinson hat es geschafft und ganz geschmeidig den Alzheimer überholt – wir sind Meister! Ja Meister von was? 

Ich finde ja, wir können uns tatsächlich über diese Information freuen. Denn jetzt wachen die Staaten auf, Regierungen und Organisationen merken, dass wir zu einem gefährlichen Wirtschaftsfaktor geworden sind. Wer hat Lust sich hinzusetzen und einmal durchzukalkulieren, wie viele Kosten durch uns entstehen – schon allein durch den Fakt, dass wir trotz Parkinson kaum früher sterben als andere. Die teuren Medikamente und Therapien, die Klinikaufenthalte, die Hilfsmittel und nicht zuletzt der Verlust unserer Arbeitsleistung und unserer Kaufkraft. Tragisch, dass wir immer jünger werden!

Diese Tatsache wurde schon von der WHO erkannt und Parkinson auf den intersektoralen Aktionsplan gehievt, wo schon seit Jahren die Epilepsie und andere neurodegenerative Erkrankungen prioritär behandelt werden. Und vor ein paar Wochen reichten amerikanische Parlamentarier beider Parteien einen gemeinsamen Gesetzesentwurf für die Bekämpfung von Parkinson ein.

Ich frage mich, wann wird die deutsche Politik aufwachen? Wann werden die deutschen Parkinson-Organisationen anfangen ernstzunehmende öffentlichkeitswirksame Maßnahmen aufzugreifen? Hoffentlich geht es schneller, als die Einführung der Stammzellen Therapie.

Hamburg, den 06.08.2022,  May Evers

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