Übungen und Informationen von Luise Walther
Personal Trainerin und Autorin zahlreicher Publikationen rund um das Thema neurozentriertes Training
Was ist Neurozentriertes Training
Ein neuer Trainingsansatz verspricht hier Innovation. Neurozentriertes Training ist ein gehirnbasiertes Training, dass den Fokus auf die neuronalen Prozesse des Körpers setzt. Bewegung und Schmerzen entstehen im Gehirn. Hier setzt das Training an. Die Erfolge von neurozentriertem Training und dessen Innovation stehen und fallen mit der Offenheit der Menschen für Veränderung. Gehirnbasiertes Training, setzt dort an, wo die Krankheit entsteht, im Gehirn.
Kampf oder Flucht
Die menschliche Kampf-oder-Flucht-Reaktion sicherten unseren Vorfahren ihr Überleben. Auf die eintreffende Bedrohung reagiert der Körper mit Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol und startet damit den Kampf oder die Flucht. Auch wenn wir heutzutage nicht mehr vor bedrohlichen Tieren fliehen oder gegen sie kämpfen müssen, instinktiv reagieren wir mit demselben Mechanismus auf alltägliche Bedrohungen, wie beispielsweise Stress.
Stressreduktion
Der Neurozentrierte Trainingsansatz führt zu Stressreduktion und fördert kognitive Leistungsfähigkeit. Beispielsweise regen Atem- und Achtsamkeitsübungen den präfrontalen Cortex an, ein Hirnareal, das besonders für Emotionen wie Zufriedenheit, Einfühlungsvermögen, Regulierung und Planung zuständig ist. Zudem steigert es die Lernfähigkeit und Innovationsfähigkeit. Es kann bis hin zur Anregung der Bildung neuer Zellen im Hippocampus führen. Neben der emotionalen Regulierung ist dieses Hirnareal verantwortlich für die Aufnahme neuer Informationen.
Neuronale Plastizität
Neuronale Plastizität ist die Grundlage der positiven Effekte von neurozentriertem Training. Es schafft damit perfekte Bedingungen zur Bildung neuer neuronaler Verbindungen.
Durch das Training steigern sich Fokus und Konzentration.
Neurozentriertes Training ist ein holistisches und nachhaltiges Trainingssystem. Basierend auf neuro-biomechanischen Prozessen unterstützt es alltägliche Agilität und Flexibilität und schafft ideale Voraussetzungen für die Überwindung tradierter Denk-, Verhaltens- und Bewegungsmuster
Was kann man gezielt trainieren?
Die Atmung!
Sowohl die biochemische als auch die biomechanische Optimierung der Atmung hat für Personen mit Parkinson-Erkrankung positive Effekte. Die Atmung wird vom zentralen Nervensystem kontrolliert und sollte für eine optimale Bewegungsfähigkeit und Stabilität dreidimensional und seitengleich in der Brustkorbbewegung sein. Damit das Nervensystem gut arbeiten kann, sollte zudem eine gute Verwertbarkeit von Sauerstoff und Kohlendioxid trainiert werden.
Eine gleichmäßige Weitung des Brustkorbs hat zusätzlich einen stabilisierenden Einfluss auf die Körpermitte und sorgt für Stabilisierung und Bewegungskontrolle. Durch das optimierte Atemmuster kann die Muskulatur während der Bewegung besser mit Sauerstoff versorgt werden. Das führt zu gesteigerter Energieproduktion in der Muskelzelle und somit zur besseren Ausdauerfähigkeit.
Die Verbesserung der Sauerstoffversorgung im Gehirn reduziert zudem das Stresslevel und sorgt für kognitive Leistungsfähigkeit.
Für Anfänger, die mit Atemtraining noch nicht viele Berührungspunkte hatten, empfiehlt sich wie folgt zu beginnen:
Übungen
Übung: Leiteratmung
Idealerweise sollte die Atmung dreidimensional angesteuert werden. Das bedeutet der Brustkorb und die Rippenbögen dehnen sich nach vorne, zur Seite und nach hinten gleichmäßig aus.
Um das zu vereinfachen und zu automatisieren, bindet man ein Widerstandsband um den Rippenbogen, sodass ein leichter Druck verspürt wird. Man sollte noch entspannt atmen können. Das Band gibt ein Feedback über die Gleichmäßigkeit und Tiefe der Atmung. Anwendungsempfehlung: morgens und abends 5-10 Minuten.
Damit man einen nachhaltigen Effekt bei der Atmung bewirken kann, sollte die Trainingsintensität höher sein. Um das realistisch in den Alltag einzubinden, empfiehlt sich die folgende Übung:
Übung: Atmung gegen Widerstandsband
Binde dir ein Widerstandsband um den Rippenbogen. Das Band sollte oberhalb des Bauchnabels und unterhalb der Brust sitzen. Atme nun für fünf bis zehn Minuten gegen den Widerstand des Bandes. Du wirst bemerken, dass sich Brustkorb und Rippenbögen gleichmäßig weiten und bei der Ausatmung wieder lockerlassen. Diese Übung aktiviert die tieferliegenden Muskelschichten und verbessert damit deine Körperhaltung.Bewegungen
Um Bewegungsmuster wieder fließender und gleichmäßiger ablaufen zu lassen, kann man sich den Trainingsimpulsen des Lauftrainings bedienen. Der Körper wird über Reflexe bei komplexen Bewegungen automatisch stabilisiert. Wenn Sie laufen, sollten Sie also eigentlich nicht umfallen. Und Sie müssen währenddessen auch nicht darüber nachdenken, ob Sie gerade Ihre Rumpfmuskulatur anspannen oder nicht.
Diese Halte- und Stützmotorik ist aber durch die Parkinson-Erkrankung in Mitleidenschaft gezogen. Da die Basalganglien in ihrer Funktion vermindert sind, können die Bewegungsabläufe nicht so feingliedrig aufeinander abgestimmt werden. Die Bewegungen wirken tapsig bis unbeholfen. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Steuerung des Muskeltonus, also der Spannung der Muskulatur beeinträchtigt ist. Harmonische und fließende Bewegungen und aufrechte Körperhaltung kommen durch drei Bewegungssteuernde Systeme zustande:
- Augen
- Gleichgewichtssystem
- Körperwahrnehmung
Damit die Informationen aus allem Beriechen miteinander verbunden und interpretiert werden, kommunizieren unterschiedliche Hirnbereiche miteinander. Das Kleinhirn spielt hier eine entscheidende Rolle für die Genauigkeit der Bewegung, für das Gleichgewicht und die Koordination. Alles Bereiche, die bei Betroffenen eingeschränkt sind. Ursache ist wie bereits beschrieben die reduzierte Dopaminproduktion. Ist weniger Dopamin vorhanden, ist die Kommunikation der unterschiedlichen Gehirnbereiche verringert. Das führt dann zu weniger gut koordinierten Bewegungsmustern.
neue Bewegungsimpulse
Um hier also entgegenzuwirken ist es entscheidend, dem Gehirn immer wieder neue Bewegungsimpulse zu geben. Aus der Wissenschaft wissen wir, dass sich neue Verbindungen im Gehirn aufbauen, wenn wir Neues Lernen und unerwartetes passiert. Das ist auf Grund der Parkinson-Erkrankung zwar reduziert, kann aber dennoch angebahnt werden.
Relevant bei den folgenden Übungen ist immer wieder, auf eine Aufrichtung der Wirbelsäule zu achten. Das sorgt für eine Optimierung der Atmung und die Rumpfmuskulatur kann reflektorisch besser arbeiten. Der Rumpf also vom autonomen Nervensystem besser stabilisiert werden.
Um das Gangmuster zu schulen, empfiehlt sich klassisches Marschieren auf der Stelle. Bei Unsicherheit kann man sich neben eine Wand stellen, an der man sich gegebenenfalls festhalten kann.


