Gunnar, Chuck und Parkinson

Die kläglichen Versuche, den 1. Mai würdig zu begehen…

1. Versuch

Was ist denn mal los? Bin extra früh aufgestanden. Habe mir zur Feier des Tages mit der guten Putzi-Zahncreme die Knabberleiste poliert und mit dem Florena-Deostift die Achselhaare verklebt. Zur Krönung bin ich dann noch in meinen purpurroten Arbeiter- und Bauern-String Tanga geschlüpft und mopste aus des Nachbars Blumenrabatte für Herrn Parkinson und mich noch je eine Nelke. Dann bin ich raus auf die Straße und wollte mich dem Demonstrationszug anschließen, aber es war keiner da. Stattdessen wurde ich zweimal fast von einem beim sicher noch damaligen Klassenfeind gebauten Vehikel überrollt. Nun gut, jetzt sitze ich wieder auf der Couch und gucke auf RTL 2 Frauentausch…

2. Versuch

Nachdem ich in drei Folgen Frauentausch von den wahrscheinlich dümmsten Müttern der Welt mehr gelernt hatte als in meinen letzten *hüstl*28 Jahren (z.B. das Bio Lebensmittel ekelhaft sind, weil das Abfall ist; Kinder Schokolade dagegen sehr gesund, weil da viel Milch drin ist, jedoch folgende Nahrungsmittel am gesündesten sind weil dort eine Menge Vitamine drin sind: Leberwurst, Salamiwurst, Teewurst, Gesichtswurst und Erdbeerkäse).

Nach dieser Schocktherapie also beschloss ich mit dem Tag noch etwas nützliches anzufangen. Nach meiner morgendlichen Schlappe beschloss ich mir Verstärkung zu holen.

„Maikätzchen anrufen!“, brüllte ich ins Telefon. „Norris am Apparat“, meldete sich die Stimme am anderen Ende der Leitung. „Chuck, du alte Pingpong-Fresse, was machst du gerade? Ich hab….. Warte kurz es klingelt an der Tür.“

Ich öffnete und da stand, ihr ahnt es sicher, Norris, die alte Bratwurst und telefonierte – mit mir. „Chuck, du Hirntoter, mir ist langweilig. Lass uns im Altersheim den „Tanz in den Mai“ crashen! Ich lenke die Seniorenbande mit einer Breakdanceeinlage ab und du klaust das flüssige Schnitzel und den Kartoffelbrei vom Buffet! Du, Herr Parkinson stehst Schmiere und wackelst mit dem Kopf, falls jemand kommt.“ Genug der Worte, Taten warten! Leider kamen wir nur fünf Meter weit mit dem Auto, denn Mister Ich-schaffe-alle-Liegestütze hatte vergessen zu tanken. Zum Glück verlor Herr Parkinson bei Stein-Schere-Papier und musste mit dem Kanister zur Tanke.

Der Texas Ranger und ich sitzen auf der Couch, gucken Frauenfußball, trinken lauwarmes alkoholfreies, isotonisches Radler und warten auf den Zitteraal mit dem Brennstoff. Bin mal gespannt ob wir das mit dem 1. Mai noch hinbekommen…

„Prost, Chuck!“ – „Tooooor!“

Es dauerte gefühlte vier Stunden, bis Herr Parkinson endlich angewackelt kam.

„Mann, wo bleibst du denn?“, pflaumte ich ihn liebevoll an.

„Haste dir Sorgen gemacht?“, fragte Herr Parkinson misstrauisch.

„Nö“ antwortete ich, aber Norris der geile Bock hat deine Pornosammlung gefunden und jetzt habe ich ein bisschen Angst!!“

„Witzbold… und du hast noch Eis an der Schnute.“

Wie auch immer, Herr Parkinson hatte Futter für das Auto besorgt und es konnte endlich losgehen. Ich navigierte und Chuck gab Gas. Zu meinem Unwissen hatte Frau Norris leider eine Links/rechts-Schwäche und wir fuhren, als ich rechts sagte, nach links und knallten mit voller Wucht gegen einen neuen Aldi.

Beim Aufprall wurde alles ganz schwarz um mich herum, und auf einmal saß ich an einem Lagerfeuer. Seltsam, wo war ich? Ich schaute in die Runde und mit mir saßen da noch Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Ernst Thälmann, Juri Gagarin, Anna-Nicole Smith (hey, das ist schließlich meine Geschichte) und Adolf!

Nein, nicht der Adolf, sondern der Held unserer Mütter und der Albtraum unserer Väter –

Adolf Hennecke. Wer von den jüngeren Rezipienten nicht weiß, wer das ist, Wikipedia weiß es!

Ich wollte ihn gerade ausfragen, wie man Aktivist wird, als es um mich herum anfing zu dämmern. Ich sah den Bart von Sanitäter Norris auf mich zu rauschen, der, wie es aussah, gerade zu einer (hoffentlich der ersten) Mund zu Mund Beatmung ansetzte.

„Willst du mich nicht erstmal zum Essen einladen bevor wir knutschen?“, hauchte ich ihm zärtlich zu.

„Mein Gott“, schrie Schwester Chuck sichtlich erfreut. „Ich dachte, du wärst tot!“

Ich schaute mich um.  „Und Herr Parkinson, ist der…?“

„Hättest du wohl gerne“, zischte es von der Rückbank. Na klar, so viel Glück konnte ich ja nicht haben.

Jetzt sitzen wir drei auf der Couch und schauen einen Shoppingkanal, auf dem jemand Bohrmaschinen verkauft und weil heute 1. Mai ist, sieht der Verkäufer ein bisschen aus wie Adolf Hennecke…

Gunnar