Geist und Körper

Wieder habe ich einen der Momente, in denen mein Körper mir seine Schwächen zeigen will. Mein rechtes Bein und die Hand zittern. Schmerzen durchziehen meine rechte seitliche Wade, da der Muskel vom Tremor überlastet ist. Auch sonst spüre ich viele meiner Muskeln, da sie durch den Rigor angespannt sind.

Es ist Zeit meinen Geist auf den Körper zu fokussieren und alles, was um mich herum ist, für einige Minuten zu verbannen. Zeit für mein tägliches Zhinengh Qigong, Zeit für Reiki und Meditation.

Beginnen werde ich dies, wie immer damit, meinen Körper erst einmal mit Tai Chi in Bewegung zu bringen, um danach den Geist mit dem Körper in versuchter vollkommener Ruhe zu vereinen.

Zum Einklang spreche ich die 8 Verse des Zhinengh Qigong in deutscher als auch chinesischer Sprache:

Berühre den Himmel und fühle die Erde
Der Körper ist entspannt und der Geist dehnt sich aus
Sei nach außen respektvoll, nach innen ruhig
Das Herz und der Geist ist klar und die Erscheinung bescheiden
und demütig
Keine ablenkenden Gedanken
Der Geist dehnt sich aus bis zur Unendlichkeit
Fühle die geistige Kraft in jeder einzelnen Zelle, tief in deinem Körper
Um den Körper herum ist alles warm. Der ganze Körper ist in Harmonie mit Qi

Nach dieser geistigen Einstimmung, kann ich mit der Basisübung „Lift Qi Up – Pour Qi Down“ beginnen.

In Gedanken verbinden sich meine Füße mit der Erde und verwurzeln dort tief in Boden. Ich öffne den Kopf weit zum blauen Himmel. Die Körperseiten öffnen sich weit zum Horizont und Qi fließt von allen Seiten in meinen Körper.

Meine Gedanken sind nun nur noch bei meinem Körper und konzentrieren sich auf die Bewegungen der nun folgenden 15 minütigen QiGong Übung.

In der Regel hat sich schon vor Beginn der eigentlichen Übung mein Tremor in Wohlgefallen aufgelöst. Meine Beweglichkeit habe ich durch das vorgelagerte Tai Chi schon verbessern können. Aber dies wird sich im Ablauf der nächsten Stunde mit Qigong, Reiki und Mediation noch mehr verbessern.

Nun liegt es nicht in meiner Absicht, den Leser mit einer Beschreibung der Bewegungsabläufe dieser 15 minütigen Übung zu langweilen. Nur so viel will ich an dieser Stelle sagen, dass ich in deren Ablauf deutlich spüre, wie mich eine Kraft oder Energie durchströmt, welche ich früher in dieser Form nicht kannte.

Zum Abschluss lege ich beide Hände, die linke unter der rechten, auf meinen Bauchnabel und genieße für eine Minute das Kribbeln, welches sich in meinem Bauchraum ausbreitet.

Die folgende 30 bis 40 Minuten gehören einer Kombination aus Meditation und Reiki. Nach der Philosophie von Reiki (rei = Geist, Seele / ki = Ur- oder Lebensenergie) wird ki, welches man durch den Kopf aufnimmt durch die Hände übertragen. Hierzu legt man die Hände an bestimmten Stellen des Körpers auf. Hierdurch wird der Energiefluss im Körper angeregt und Blockaden gelöst. Dies ist sicherlich eine sehr kurze Erklärung, da man hierüber ein Buch schreiben könnte.

Für mich ist es aber ein weiteres, noch tiefergehendes Konzentrieren auf einen Körperbereich, den ich durch Auflegen der Hände stimuliere. Dabei spüre ich sowohl in den Händen, als auch in der betroffenen Region wie das Ki (oder in China Qi) fließt und sich eine angenehme Wärme ausbreitet.

Beides, Qigong als auch Reiki sind für mich sehr meditativ, da ich mich beim einen auf die Bewegung und beim anderen auf eine Körperregion konzentriere und somit alles Geschehen um mich herum und alles, was mich sonst bewegt, verbannen kann. Vor allem aber gehört diese Zeit mir allein, ohne dass ich meinen Begleiter Parkinson daran teilhaben lasse.

Für mich sind diese täglichen Übungen wie das Aufladen einer Batterie, welche sich dann im Laufe der folgenden 24 Stunden wieder entlädt und nach neuer Energie schreit.

In diesem Sinne kann ich nur dazu raten, sich einer mentalen Technik zuzuwenden. Es müssen ja nicht gleich mehrere sein, wie ich dies praktiziere. Wem Reiki zu mystisch ist, dem kann ich Jin Shin Jyutsu ans Herzen legen, was man im Gegensatz zu Reiki auch aus Literatur erlernen kann.
Wer gänzliche Probleme mit den fernöstlichen Techniken hat, dem hilft vielleicht Achtsamkeitstraining (Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR) weiter.

Egal, für was man sich entscheiden mag, wichtig ist die Zeit nur für sich selbst, für seinen Geist und Körper, in der man alles andere loslassen kann und die Ruhe genießt.

Kotti