Ein Tag, als ich noch zur Arbeit ging

Ich wache auf dem Sofa auf, und ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass es noch nicht einmal 1:00 Uhr ist. Da muss ich mal wieder beim Fernsehen eingeschlafen sein, und meine Frau hat mich so zurückgelassen. Sie ist ja froh, wenn ich mal ein Stündchen schlafe. Da ich sie nicht stören will, bleibe ich einfach hier im Wohnzimmer und versuche nochmal in den Schlaf zu finden. So liege und liege ich da, drehe mich von einer auf die andere Seite, aber an Schlaf ist nicht zu denken.

Ich versuche alle möglichen Techniken, von denen man sagt, sie sollen den wohl verdienten Schlaf bringen. Selbst das Zählen von Schäfchen hilft wie so oft nicht, dabei springen diese in meinen Gedanken so schön über den Zaun.
Ich war schon vor der Diagnose kein Schlafwunder, aber seit ich die Medikamente nehme, ist es geradezu eine Katastrophe geworden.

Zwischenzeitlich ist es 2:30 Uhr und noch immer bin ich wach und fühle mich aufgedreht. Also schauen wir mal in die Weiten des Internets, ob wir da ein wenig Ablenkung finden. Nach einer halben Stunde habe ich genug vom Surfen und fühle mich nun auch endlich ein wenig müde. Also wieder zurück aufs Sofa und nochmal versuchen.

Um 4:00 Uhr wieder hoch, ich habe keine Ahnung, ob ich mal ein paar Minuten gedöst habe. Ich denke eher nicht. Also nochmal den PC anwerfen und schauen, ob schon eine Kommunikationsmöglichkeit besteht. Wie nicht anders zu erwarten, treffe ich um diese Zeit natürlich auf andere schlaflose Geister und kann somit die nächste Stunde überstehen.

Um 5:00 Uhr endlich klingelt mein Wecker, Zeit zum Aufstehen und für die Arbeit richten. Also Frühstück, Bad und leise ins Schlafzimmer schleichen und vernünftige Klamotten rausholen. Mal wieder geschafft, ohne dass meine Frau aufgewacht ist. Um 5:45 Uhr fährt die Straßenbahn, zum Glück brauche ich nicht lange, so dass ich mal wieder um 6:00 Uhr der erste im Büro bin. Sogar die Putzfrau habe ich wieder geschlagen.

So nun den PC anwerfen und noch ein wenig den Schreibtisch freikämpfen. Da liegt noch Papierkram, den ich in der Mülltonne entsorgen kann. Ich schaue auf die Uhr, es ist fast 8:00 Uhr. Ich schrecke auf, was habe ich in der Zeit seit meinem Eintreffen gemacht? Ich habe keine Ahnung, es ist ausgeblendet. Mist da bin ich wohl mal wieder im Bürostuhl eingeschlafen und fühle mich natürlich wie gerädert. Hoffentlich hat keiner meiner Kollegen reingeschaut …
Mit Entsetzen stelle ich fest, dass mein Papierkorb an einem anderen Platz steht und geleert ist. Wie peinlich, die Putzfrau muss wohl da gewesen sein.

Egal, jetzt ist erst mal Zeit für einen Pott Kaffee und mal kurz zu den Kollegen schauen. Keiner sagt einen Ton betreffend meines meditativen Arbeitsauftaktes, aber das muss ja nichts bedeuten. Im Büro quäle ich mich nun mit kleineren nicht wirklich anspruchsvollen Arbeiten. Zu mehr bin ich auch nicht in der Lage, da es ja nicht die erste Nacht war, in der ich so wenig geschlafen habe. Zwischendurch suche ich mir mal einen kleinen Job heraus, bei dem ich in einen anderen Bereich des Betriebsgeländes gehen muss. Wird auch Zeit, dass ich endlich hinaus komme, um den Geist ein wenig durch Frischluft aufhellen können.

Irgendwie ist es dann auch 12:00 Uhr geworden. Ich schließe die Bürotür von innen ab, stelle den Wecker des Handys auf 12:30 Uhr und lege den Kopf auf die Tischplatte. Komisch, so kann ich dann einschlafen, aber nachts im Bett ist meistens Fehlanzeige.

Dann quäle ich mich weiter durch den Nachmittag und hoffe, dass es bald 15:30 Uhr wird. Zum Glück ist heute keine Besprechung angesagt. Es wäre nicht die erste, bei der mir die Augen zufallen.

Dann endlich kann ich den Heimweg antreten, mal wieder mit dem unguten Gefühl, dass meine Produktivität am heutigen Tag sehr zu wünschen übrig gelassen hat. Zum Glück habe ich in meinem Team so gute Kollegen, die bisher nie etwas gesagt haben. Ich habe sogar den leisen Verdacht, dass sie bewusst ganz schön was von mir abfangen. Nur gut fühlen tue ich mich damit nicht, das macht mir ganz schön zu schaffen und baut meine Psyche nicht wirklich auf.

So schleiche ich dann zur Straßenbahn, die wie immer um diese Zeit reichlich gefüllt ist, so dass ich mich mit einem Stehplatz abfinden muss. Ich weiß nicht, wie ich ausgesehen habe, wohl ziemlich fertig, da mir auf einmal jemand seinen Sitzplatz anbietet. Aber das habe ich dann natürlich ausgeschlagen, so behindert bin ich denn doch auch nicht.

Zuhause noch ein wenig was im Haushalt erledigen, Abendessen und irgendwie möglichst lange zusehen, dass ich wach bleibe. Zu früh will ich ja nicht schlafen, damit ich nicht schon vor Mitternacht wieder auf den Beinen bin.

Kotti